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Joseph II.
Kaiser des HRR

(13.03.1741 - 20.02.1790)

 



Joseph II. Benedikt August Johann Anton Michael Adam (Josephus Benedictus Augustus Johannes Antonius Michael Adamus) von Österreich-Lothringen kam am 13.03.1741 als viertes Kind und erster Sohn von Maria Theresia und Franz Stephan in Schönbrunn zur Welt.
Der Junge war der langersehnte Thronfolger und wurde noch am Abend des Geburtstages getauft; die Taufpaten waren Papst Benedikt XIV. (vertreten durch Kardinal Sigismund von Kollonitz, Fürsterzbischof von Wien) und König August III. von Polen (vertreten durch Prinz Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen).

 
Erzherzog Joseph (1743, Martin van Meytens)

Wiener Diarium zur Geburt des Kronprinzen:

"Heute in der fruhe zwischen 2 und 3 Uhr seynd Ihre Majestät die Königin zu Hungern und Böheim, Erz-Hertzogin zu Österreich, unsere Allergnädigste Landes-Fürstin und Frau eines schön- und wolgestalteten Ertz-Herzogen zu unaussprechlicher Freude Allerhöchster Herrschaften wie auch zum höchsten Trost alhiesiger Inwohner und gesammter Königl. Erb-Königreichen und Landen glücklichst entbunden worden; von welcher glüklichen Entbindung alsogleich der Ruf mithin ein immerwährendes Jubel-Geschrey durch alle Gassen noch bey eitler Nacht erschollen. Von dieser glücklichen Entbindung seynd auch die Nachrichten mittels Abfertigung einiger Kammer-Herren, Truhsessen und respektive Expresso an unterschiedliche auswärtige Höfe abgefertigt worden."

 
Erzherzog Joseph (1745, Martin Engelbrecht)


Josephs Kindheit


Nachdem Maria Theresia bislang lediglich Töchter geboren hatte (zwei davon verstarben früh), wurde Josephs Geburt begeistert gefeiert. Seine Geburts- und Namenstage zelebrierte der Hof stets in Gala.
Der hübsche Junge genoss so manche Freiheiten, Fehler wurden toleriert und Bestrafungen mit Hilfe von List umgangen. Seiner Rolle als zukünftiger Herrscher war er sich schnell bewusst.

 
Erzherzog Joseph (1749, Martin van Meytens)

Zu seinem Erzieher ernannte Maria Theresia den Grafen Batthyány. Zudem erhielt der Kronprinz vier Kammerdiener, einen Kammerjungen, einen Unterkammerjungen, zwei Köche, einen Sommelier, einen Untersommelier sowie zwei Türhüter.
Joseph Weger war für den Unterricht des Erzherzogs zuständig. Nach dem Tod des Lehrers im Juli 1751 - Erzherzog Joseph war zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt - übernahm der Staatssekretär Johann Christoph Bartenstein diese Aufgabe.
Dieser machte eine Bestandsaufnahme vom Wissensstand des Jungen, so das wir heute interessante Informationen hierzu haben:
Die schulischen Vorlieben des jungen Erzherzogs lagen in der Mathematik, der Geografie sowie in der Kriegswissenschaft, was seine bereits frühe Vorliebe für das Militär verdeutlichte. Im Gegensatz dazu mochte Joseph Geschichte nicht.
Josephs Schultag begann bereits um 6:45 Uhr und endete erst um 21:45 Uhr, von Montag bis Sonntag, ausgenommen der Feier- und Festtage.

Am 13.03.1759 erreichte Erzherzog Joseph die Volljährigkeit und sein Unterrichtsprogramm veränderte sich entsprechend. Ab diesem Zeitpunkt wurde er als künftiger Herrscher in die Regierungsgeschäfte eingeführt.

Joseph bevorzugte von früher Jugend an einen einfachen Lebensstil. Er war hochintelligent und gefürchtet für seinen Zynismus.


Josephs Ehen


Der Erzherzog heiratete am 07.09.1760 per procurationem und am 06.10.1760 in persona in Wien die 18-jährige Prinzessin Isabella von Bourbon-Parma, Infantin von Spanien und eine Enkelin des französischen Königs Louis XV.

 
Isabella de Bourbon-Parme (1758, Jean-Marc Nattier)

 
Trauungszeremonie in der Wiener Augustinerkirche (Martin van Meytens)

 
Hoftafel in der Großen Antecamera der Hofburg (Martin van Meytens)

 
Hoftafel im Redoutensaal (Martin van Meytens)

 
Serenade im Redoutensaal der Hofburg (Martin van Meytens)

 
(Detail)

Joseph liebte seine schöne Gemahlin abgöttisch, doch Isabella war unglücklich am Wiener Hof. Je glühender die Liebe Josephs zu Isabella wurde, umso stärker wurde ihre Abscheu gegen ihn; ihr Gatte widerte sie an und bald schon verfiel die Prinzessin in schlimme Depressionen mit Todesvorahnung.

Ihre wichtigste Bezugsperson bei Hofe war die Erzherzogin Maria Christina, mit der sie eine innige Freundschaft verband und einen regen Briefkontakt führte.
Trotz ihrer Abneigung gegen den Ehemann, brachte Isabella im März 1762 eine Tochter zur Welt. Nach zwei Fehlgeburten im August 1762 und im Januar 1763 folgte eine zweite Tochter, die jedoch am Tag der Geburt starb:

Maria Theresia Elisabeth (20.03.1762-23.01.1770)
Maria Christine (geb./gest. am 22.11.1763)

 
Geburt der Maria Theresia, Tochter von Joseph & Isabella am 20.03.1762
(1762, Erzherzogin Maria Christina)
v.l.n.r.: Erzherzogin Maria Christina, die kleine Maria Theresia
im Arm der Amme, Joseph am Bett der jungen Mutter Isabella

 
die kleine Tochter Josephs, Maria Theresia

 
Erzherzog Joseph (1762, Jean-Etienne Liotard)

 
Erzherzog Joseph mit seiner Mutter Maria Theresia sowie seiner Gemahlin
Isabella und Erzherzogin Maria Christina (1763, Martin van Meytens)

Während ihrer Schwangerschaft mit Christine erkrankte Isabella 1763 an den Pocken. Das Kind kam bereits nach sechs Schwangerschaftsmonaten verfrüht am 22.11.1763 zur Welt und verstarb nur wenige Stunden nach der Geburt.
Fünf Tage später, am 27.11.1763, starb auch Isabella an den Folgen ihrer Pockenerkrankung.

Joseph litt sehr unter dem Verlust der geliebten Isabella.

Aus dynastischen Gründen verlangte die Kaiserin von ihrem Kronprinzen, sich ein zweites Mal zu verheiraten. Die Wahl fiel auf eine Cousine 2. Grades: Prinzessin Maria Josepha von Bayern.

 
Prinzessin Maria Josepha von Bayern (1765, Martin van Meytens)

Die Hochzeit per procurationem fand am 13.01.1765 statt, die eigentliche Hochzeit in persona am 23.01.1765 in Schönbrunn.

 
Tanz der Kaiserkinder anlässlich der Hochzeit von Erzherzog Joseph mit
Prinzessin Maria Josepha von Bayern am 23.01.1765 (Johann Georg Weikert)
Erzherzog Maximilian spielte Cupid, Erzherzog Ferdinand den Groom und Erzherzogin
Maria Antonia die Braut. Die jungen Damen linkerhand waren die Gräfinnen Christine and
Thérèse von Clary und Aldringen sowie die Gräfinnen Christine and Pauline von Auersperg.
Die jungen Herren rechterhand waren Friedrich Landgraf von Fürstenberg, Graf Franz Xavier
von Auersperg sowie die Grafen Joseph and Wenceslas von Clary und Aldringen.

Die Ehe der beiden war äußerst unglücklich; Joseph missachtete seine Gattin. Den Tod seiner schönen Isabella konnte er zeitlebens nicht überwinden. Maria Josepha empfand er als "kleine und dicke Gestalt" mit "hässlichen Zähnen". Dennoch würdigte er sie als eine "vorwurfsfreie Frau", die er wegen ihrer guten Eigenschaften schätze. Sein Verhalten dieser "geschätzten" Gemahlin gegenüber war jedoch alles andere als würdevoll: er mied das gemeinsame Schlafzimmer und organisierte gar eine Trennung des gemeinsamen Balkons in Schönbrunn, um die arme Maria Josepha nicht sehen zu müssen.
Die Ehe wurde offenbar nie vollzogen und blieb daher kinderlos.


Kaiser des HRR
Josephs Wappen


Im Jahr der zweiten Eheschließung Josephs, verstarb am 18.08.1765 sein Vater, der Kaiser. Franz I. Stephan hatte bei den Hochzeitsfeierlichkeiten des Sohnes Leopold in Innsbruck einen Schlaganfall erlitten und war an den Folgen gestorben.
Erzherzog Joseph war bereits am 27.03.1764 in Frankfurt zum römisch-deutschen König gewählt worden. Die Krönung fand am 03.04.1764 statt; Josephs Wahlspruch war: "Virtute et exemplo" (dt.: "Mit Tugend und Beispiel").

 
Einzug Josephs in Frankfurt zu seiner Krönung zum
römisch-deutschen König, 1764 (Martin van Meytens)

 
Krönungs Josephs zum römisch-deutschen König,
St. Bartholomäuskirche in Frankfurt (Martin van Meytens)

 
Krönungsmahl in Frankfurt (1764, Martin van Meytens)

 
Detail:
Joseph beim Krönungsmahl an der Seite seines Vaters, Kaiser Franz I. Stephan

Nun folgte er seinem Vater auf den Kaiserthron: 1765 wurde Joseph als Joseph II. in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Bis zum Tod seiner Mutter in 1780 blieb er jedoch in Österreich nur deren Mitregent. Erst nach ihrem Tod konnte er seine Reformpläne in die Tat umsetzen.
Als Alleinerbe des Vaters - nur Bruder Leopold wurde bei der Erbschaft noch geringfügig bedacht - verfügte Joseph über ein beachtliches Vermögen, welches er in der Folge zur Sanierung des Staatshaushaltes nutzte.

 
Joseph II (1765, Martin van Meytens)

1767 erreichte eine erneute Pockenwelle den Kaiserhof; u.a. erkrankten Josephs Mutter Maria Theresia und seine Gemahlin Maria Josepha. Während Maria Theresia die Pockenerkrankung überstand, verstarb Maria Josepha von Bayern an den Folgen der Krankheit am 28.05.1767. Sie wurde in der Kapuzinergruft beigesetzt. Joseph II. nahm an der Bestattung seiner verstorbenen Frau nicht teil.

Der Kaiser heiratete nach dem Tod seiner zweiten Gemahlin nicht mehr. Damit widersetzte er sich dem Willen Maria Theresias, die für ihn eine dritte Heirat wollte und Kandidatinnen wie die Prinzessin Bathilde d'Orléans oder Prinzessin Elisabeth von Frankreich, die jüngste Schwester des späteren französischen Königs Louis XVI, in Erwägung zog.
Aber auch in sämtlichen anderen Lebenslagen geriet er mit Maria Theresia aneinander. Die Mitregentschaft Josephs sorgte zwischen ihm und seiner Mutter für ständige Zerwürfnisse. Hier trafen Maria Theresias konservative Ansichten auf Josephs reformfreudigen Charakter. Als Anhänger der Aufklärung vertrat der junge Kaiser häufig eine völlig gegenteilige Meinung zur Ansicht der Mutter. Beide blieben stur bei ihren Meinungen, drohten im schlimmsten
Falle einander den Rücktritt an, doch versöhnten sich bald darauf wieder. Das zerrüttete Verhältnis der beiden machte Maria Theresia schwer zu schaffen, besorgt überwachte sie Josephs Handlungen.

 
Kaiser Joseph II (rechts) mit seinem Bruder Leopold (1769, Pompeo Batoni)

 
Joseph II. (1770, Pompeo Batoni)

 
Joseph II. (1770, unbekannter Künstler)

 
Joseph II. (1772, Anton von Maron)

1770 traf den Kaiser ein schwerer Schicksalsschlag, als am 23.01.1770 seine kleine Tochter Maria Theresia an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Für Joseph brach völlig die Welt zusammen; er hatte nun auch die letzte Verbindung zu Isabella verloren. In der Folgezeit vereinsamte der Kaiser immer mehr.

Am 29.11.1780 starb die Kaiserin Maria Theresia.
Mit ihrem Tod übernahm Joseph II. die alleinige Herrschaft über das Heilige Römische Reich und beerbte seine Mutter auch in der Regentschaft über Böhmen, Kroatien und Ungarn.


Der reformfreudige Kaiser


Während seiner Regierung versuchte er, all seine bislang nur theoretischen Reformüberlegungen nunmehr in die Tat umzusetzen, scheiterte jedoch größtenteils an seinem eigenen übereilten Handeln und fehlender Diplomatie.
Sein berühmtestes Schaffen waren die sogenannten "Toleranzpatente" von 1781, 1782 und 1785, die seinen Untertanen die freie Ausübung ihrer Religionen ermöglichten, den Vorrang der Katholischen Kirche jedoch bestehen ließ.
1781 hob er zudem die Leibeigenschaft auf und verringerte die Rechte der Grundherren. Die Macht des Adels und des Klerus' einzuschränken, war ihm ein besonderes Anliegen. Ebenso plante er, seinen Herrschaftsbereich zu einem Einheitsstaat umzuwandeln, mit der Staatssprache Deutsch.
Joseph verkleinerte zudem den Hofstaat und schränkte das Spanische Hofzeremoniell ein.

 
Joseph II. mit seinen Schwestern Maria Elisabeth & Maria Anna (Joseph Haunzinger)

An vorderster Stelle stand Josephs Wunsch, dem Volk Wohlstand und Fortschritt zu verschaffen. Neben den o.g. Dingen ließ er außerdem Schulen, Krankenhäuser, Armen- und Waisenhäuser errichten, öffnete die Privatgärten von Schönbrunn, den Prater und den Augarten für die Öffentlichkeit und verbannte aus hygienischen Gründen (Grundwasserschonung) die Friedhöfe aus den Städten.

Leider zog er durch viele seiner Reformen den Zorn der Elite, aber auch des einfachen Mannes auf sich. Die einfache Bevölkerung selbst verstand nicht die Hintergründe der notwendigen Reformen, ärgerte sich zudem über Josephs allzu häufiges Planen bis ins kleinste Detail, empfand die "Einmischung" des Kaisers in die alltäglichsten Dinge gar als Schikane. Es kam zum Widerstand in sämtlichen Bevölkerungsschichten.
Josephs Reformen zum Einheitsstaat sorgten zudem für Unruhen in Ungarn und den österreichischen Niederlanden.
Am Ende seines Lebens zwang ihn dieser Widerstand schließlich, einen Großteil seiner Reformen wieder zurück zu nehmen.

Außenpolitisch war der Kaiser nicht gerade mit Glück gesegnet.
Als kaiserlicher Mitregent an der Seite seiner Mutter brachte die 1. Teilung Polens 1772 Österreich den Zugewinn Galiziens.

 
links: Die Lage des Königreichs Polen im Jahr 1773
rechts: Zarin Katharina die Große teilt Polen mit König Friedrich von Preußen und Kaiser
Joseph II; König Stanislaus August II. von Polen greift sich verzweifelt an seine Krone
(1773, Jean-Michel Moreau)

 
Joseph II. (1775, Anton von Maron)

 
Joseph II. (1776, Joseph Hickel)

Im Bayerischen Erbfolgekrieg musste Joseph auf einen Großteil seiner Forderungen verzichten:
Nachdem die bayerische Linie der Wittelsbacher 1777 ausgestorben war, drohte das Kurfürstentum Bayern an die pfälzische Linie zu fallen. Kaiser Joseph hingegen bestand auf seinen Erbansprüchen des Gebietes und berief sich auf seiner Ehe mit der 1767 verstorbenen Prinzessin Maria Josepha von Bayern. Geplant war ein Tausch zwischen Österreich und den Wittelsbachern: Bayern sollte an Österreich angeschlossen werden und als Gegenleistung würde der Kaiser den Wittelsbachern die Österreichischen Niederlande überlassen.
Nach Ende des Krieges musste sich Joseph mit dem Innviertel (den heutigen Bezirken Braunau am Inn, Ried im Innkreis und Schärding) zufrieden geben.

 
Joseph II. (1783, H. Tröndle)

 
 

Joseph II. mit Erzherzog Franz und der Generaliät im Lager bei Minkendorf, im November 1786
(1788, Martin Ferdinand Quadal)

Herausragend agierte Joseph II. in seiner Gesundheitspolitik.
Als er 1783 feststellte, dass das ehemalige Wiener Großarmen- und Invalidenhaus seinen Zweck nicht mehr erfüllte, ließ er es umbauen und gründete nach dem Vorbild des Pariser Hôtel-Dieu das Allgemeine Krankenhaus (AKH), welches zum damals größtes Spital Europas wurde und ausschließlich der Krankenversorgung diente.
Eröffnet wurde das AKH am 16.08.1784.

 
AKH um 1784

1784 gründete der Kaiser in Wien zudem das Josephinum als "k.k. medizinisch-chirurgische Josephs-Academie", die der Ausbildung von Ärzten und Wundärzten für die Armee diente. Eröffnet wurde das Josephinum am 07.11.1785.
Heute beherbergt das Josephinum das Institut für Geschichte der Medizin.

Auch das Rechtssystem seines Landes ließ er überarbeiten. Er erschuf eine Art Polizei- und Spitzelstaat, modernisierte Teile des Eherechts und des Zivilrechts und führte 1787 ein neues Strafgesetz ein, laut welchem die Verstümmelungsstrafe und die Todesstrafe im ordentlichen Strafverfahren abgeschafft wurden.
Für kurze Zeit testete Joseph sogar die Pressefreiheit.


Josephs Vorliebe: das Reisen
Der «Graf von Falkenstein»


Knapp ein Drittel seiner Regierungszeit verbrachte Kaiser Joseph II. auf Reisen. Dabei besuchte er nicht nur sein eigenes Herrschaftsgebiet, sondern auch Frankreich, dessen Königin seine Schwester Marie Antoinette war, sowie Neapel, wo seine Schwester Maria Karolina herrschte.
Auf diese Reisen begab er sich gern inkognito unter dem Pseudonym «Graf von Falkenstein» bzw. bei seiner Versailles-Reise 1777 als «Comte de Falckenstein».

1767 besuchte Joseph II. das Banat. Nach ihm wurde der Stadtteil «Josefstadt» benannt.

1769 reiste er nach Rom. Sein Weg führte ihn auch nach Neapel; dort besuchte er seine Schwester, Königin Maria Karolina von Neapel-Sizilien.

Ebenfalls in 1769 begab er sich auf eine Reise nach Böhmen. Im mährischen Slawikowitz musste seine Kutsche am Weg repariert werden. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, half der Kaiser dem Bauern Andreas Trnka und dessen Knecht Jan Kartoš beim Pflügen des Feldes. Diese als "Furchenzug" bekannt gewordene Szene wurde als Denkmal festgehalten.

 
 

Kaiser Josephs "Furchenzug" im Jahre 1769

Im Jahr 1773 besuchte er erneut das Banat sowie Siebenbürgen und Galizien, das er gerade erst bei der Teilung Polens erworben hatte.

1777 reiste der Kaiser in Begleitung von Graf Philipp von Cobenzl und Graf Joseph Colloredo-Mels und Wallsee nach Frankreich. Sein Ansehen im französischen Volk stieg während der Reise, denn der Kaiser gab sich bewusst einfach und bürgerlich.
Für einige Tage besuchte Joseph II. seine Schwester, Königin Marie Antoinette, und seinen Schwager, König Louis XVI, in Versailles. Joseph unternahm einige, von Maria Theresia angeordnete Unterredungen mit Königin Marie Antoinette, um die Schwester auf ihren verschwenderischen Lebensstil und den falschen Freundeskreis hinzuweisen. Desweiteren erfolgte ein vertrautes Gespräch mit dem Schwager. Gern wird heute immer behauptet, das französische Königspaar wusste nicht, die ehelichen Pflichten erfolgreich zu erfüllen. Angeblich soll Joseph dem König wertvolle Tipps für den ehelichen Beischlaf gegeben haben. Doch was auch immer in diesem Gespräch tatsächlich thematisiert wurde... im darauffolgenden Jahr brachte Marie Antoinette ihr erstes Kind zur Welt.

 
Allegorie zu Ehren Josephs II & Louis XVI (1777, François Valentin)

Während seiner Frankreichreise lernte er u.a. den französischen Naturforscher Comte de Buffon, den Schweizer Mediziner Albrecht von Haller, die Philosophen Johann Caspar Lavater, Jean-Jacques Rousseau und Voltaire kennen.

1781 begab er sich inkognito in die Österreichischen Niederlande. Dort inspizierte er die militärische Befestigung von Namur, besuchte die Häfen und Manufakturen, sowie soziale Einrichtungen.

Ferner begab er sich in die (ehemalige) Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, besuchte u.a. in Den Haag das Naturalienkabinett von Wilhelm V. von Oranien sowie in Amsterdam den Bürgermeister Joachim Rendorp. Auf seiner Rückreise machte er einen Zwischenstopp in Paris.

Im Jahr 1783 Joseph zum zweiten Mal Siebenbürgen, um dort einige soziale Reformen durchzusetzen, scheiterte jedoch am ortsansässigen Adel.


Krankheit & Tod


1788 erkrankte der Kaiser an Tuberkulose. Die Krankheit zog sich qualvoll durch zwei Jahre. Am 20.02.1790 starb Joseph II. in Wien an den Folgen der Krankheit.
Gemäß seinen Anordnungen wurde sein Leichnam nicht einbalsamiert, in Uniform gekleidet, in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.

Sein Bruder Leopold folgte ihm als Herrscher des Heiligen Römischen Reiches und wurde am 30.09.1790 zum Kaiser Leopold II. gewählt; die Krönung fand am 09.10.1790 in Frankfurt am Main statt.

 


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