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Maria Karolina

(13.08.1752 - 08.09.1814)

Maria Karolina von Österreich (1768, Johann Georg Weikert)



Kapitel:

Kindheit & Jugend
Königin von Neapel-Sizilien
Die Frz. Revolution & Napoléon
Sonstige Informationen



Maria Karolina (Jean Etienne Liotard)

Kindheit & Jugend


Maria Karolina Luise Josepha Johanna Antonia von Österreich-Lothringen, genannt Charlotte, war das 13. Kind des Kaiserpaares
 Franz I. Stephan und Maria Theresia und kam am 13.08.1752 in Schönbrunn zur Welt.

Die temperamentvolle Erzherzogin bekam die Gräfin von Brandis zur Erzieherin, wechselte diese jedoch, nach erfolgreichem Protest bei der Mutter, gegen Frau von Lerchenfeld aus.
Maria Theresia gefielen einige Charakterzüge ihrer Tochter nicht, sie empfand sie als ungezogen und rebellisch. Und so ermahnte sie sie stets, sich gewissenhaft geistig zu beschäftigen, um unpassenden Bemerkungen keinen Freiraum zu lassen.

Maria Karolina mit ihrem Bruder Ferdinand (Anton Raphael Mengs) Maria Karolina von Österreich mit einem Bildnis ihres Vaters

Wie auch ihre Schwestern wurde Maria Karolina ein Opfer der ehrgeizigen Heiratspolitik ihrer Mutter.
Maria Theresia plante eine Verbindung mit dem Königreich Neapel-Sizilien. Und nachdem die eigentlich dafür vorgesehenen Heiratskandidatinnen - ihre Schwestern 
Johanna Gabriela und Maria Josepha - nacheinander kurz vor der Hochzeit verstarben (1762 und 1767), wurde nun Maria Karolina dazu bestimmt, den 17-jährigen König Ferdinand von Neapel-Sizilien (12.01.1751-04.01.1825) zu ehelichen.

Maria Karolina (Jean Etienne Liotard) Maria Karolina (Jean Etienne Liotard)

Die intelligente Erzherzogin wehrte sich heftig gegen die Heirat mit einem plumpen, ungehobelten Mann wie Ferdinand von Neapel-Sizilien, hatte sich dieser doch im Jahr zuvor noch lustig über den Tod seiner zweiten Braut, Maria Karolinas Schwester, gemacht.
Maria Theresia ließ hierin jedoch nicht mit sich reden.
Da diese Verbindung aufgrund der vorangegangenen Trauerfälle im Hause Habsburg recht kurzfristig zustande kam, eilte man sich nun, die Erzherzogin auf ihre künftige Rolle der Königin von Neapel-Sizilien vorzubereiten - keine leichte Aufgabe, denn ein ganzes Land erhoffte sich Führungsqualitäten bei der neuen Königin, da es Ferdinand als König an Wille und Fähigkeit zu mangeln schien.



Maria Karolina von Österreich (1782/83, Angelika Kauffmann)

Königin von Neapel-Sizilien


Neapel-Sizilien bestand zur damaligen Zeit aus zwei Königreichen, dem Königreich Neapel und dem Königreich Sizilien, welche jedoch von ein und demselben Herrscher gemeinsam regiert wurden. Erst Ende 1816 vereinigte Maria Karolinas Gatte die beiden Königreiche zum "Königreich beider Sizilien".
Bis 1816 war König Ferdinand demnach "König Ferdinand IV. von Bourbon-Neapel" und zugleich "Ferdinand III. von Bourbon-Sizilien"; ab 1816 trug er den Titel "Ferdinand I., König beider Sizilien".

Am 07.04.1768 fand in Wien in der Augustinerkirche die Hochzeit per procurationem zwischen Maria Karolina und König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien statt. Vertreten wurde Ferdinand dabei durch Maria Karolinas Bruder, Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich.

"Eine andere Mutter würde Dich anfeuern,
nach Teilnahme an den Geschäften zu streben;
ich aber kenn allzusehr ihre Last und die damit verbundene
Gefahr, um Dich dahinein ziehen zu wollen.
Nichts darf ohne die Zustimmung und Billigung des Königs geschehen.
Selbst wenn er Dich an seiner Regierung teilnehmen lassen,
Dich in die Geschäfte einweihen, Dich zu Rate ziehen will,
darfst Du es niemals nach außen hin zeigen. Ihm laß vor der
ganzen Welt die Ehre und begnüge Dich mit seinem Vertrauen."


(Maria Theresia)

Diesen Rat gab Maria Theresia der weinenden Tochter mit auf den Weg.
Der Brautzug führte die junge Erzherzogin über Trient, Rovereto, Venedig, Modena, Bologna und Florenz. Am 11.05.1768 erreichte Maria Karolina schließlich die Grenze von Ferdinands Herrschaftsgebiet. In Bologna übergab ihr Bruder
 Leopold sie an den Abgesandten Ferdinands, hier trennte sie sich damit von ihrem bisherigen Hofstaat.
Einen Tag später, am 12.05.1768, fand die Hochzeit der beiden im Palast von Caserta statt.

Die junge Königin hatte in ihrer neuen Heimat fürchterliches Heimweh und hasste ihre Ehe. Sie selbst schrieb zu Beginn, dass ihr ihre jüngere Schwester Maria Antonia leid täte, da diese das alles noch vor sich hätte...
Die Ehe Maria Karolinas war zu Beginn mit vielen Zwistigkeiten der Ehepartner verbunden - im Gegensatz zur intelligenten und gewissenhaften Königin, war Ferdinand weitgehend schlecht auf seine Rolle als König vorbereitet, zog es vor, sich der Jagd und Jungenstreichen hinzugeben.
Doch lernten sich die beiden im Laufe der Zeit sogar schätzen und, sich einander zu vertrauen.

Maria Karolina brachte während der Ehe mit Ferdinand insgesamt 18 Kinder zur Welt und übertraf damit ihre Mutter in der Anzahl der Kinder.

Maria Karolina mit ihrem Ehemann Ferdinand I. von Neapel-Sizilien und den gemeinsamen Kindern (1783, Angelika Kauffmann)

Die junge Königin erkannte schnell die Ursachen für die schlechte wirtschaftliche und politische Situation ihrer neuen Heimat. Ihr Ehemann führte aus Unwissenheit und Schwäche heraus eine übermäßig spanienfreundliche Politik - geleitet von seinem Vater, König Carlos III. von Spanien. Dies sorgte mehr und mehr für Unzufriedenheit im Land und zu einer Ausbeutung durch Spanien.
Rasch nahm Maria Karolina die Zügel in die Hand, erwies sich bald als tüchtige Politikerin und mehrte ihren Einfluss auf die Regierungsgeschäfte ihres Gatten - hier zeigte sich die Herkunft der Königin: als Tochter der großen Maria Theresia hatte sie deren Intelligenz und Ehrgeiz geerbt.
Ihr großes Interesse an der Politik und an einer gezielten Förderung ihres neuen Heimatlandes unterschied Maria Karolina zudem sehr von ihrer Schwester Maria Antonia, die inzwischen (als Marie Antoinette) Frankreichs neue Königin war.

Als Maria Karolina den Thronfolger zur Welt brachte, erlangte sie zudem das volle Vertrauen ihres Gatten in politischen Angelegenheiten. Von da an besserten sich Wirtschaft und Politik in Neapel-Sizilien unter einer reformfreudigen Königin, die die Kluft zwischen Adel/Klerus und dem gemeinen Volk zu verringern verstand - Napoléon selbst bezeichnete sie später als die gefährlichste Frau Europas.

das Königreich beider Sizilien (Neapel-Sizilien)



Die Französische Revolution & Napoléon


Doch die Sympathie für die Angleichung der Stände, änderte sich schlagartig, als die Franzosen 1793 Maria Karolinas Schwager,
 König Louis XVI., und die geliebte Schwester Marie Antoinette hinrichteten.
Die Königin befürchtete im Zuge der Französischen Revolution eine Revolution im eigenen Lande und so stieg ihr Hass auf die neue Republik Frankreich.
Maria Karolina schloss sich daher nach der Ermordung des frz. Königspaares der Koalition gegen Frankreich an:

"Niemals werde ich, das schwöre ich, das Schicksal
meine Schwester Marie Antoinette erleiden.
Dann wäre ich im äußersten Fall entschlossen, meine
sieben Kinder ins Meer zu werfen und ihnen nachzustürzen.
Ich will keinenfalls die Beute dieser Halunken werden,
noch irgend jemand um Mitleid anbetteln."


(Maria Karolina in einem Brief an ihren Neffen und
Schwiegersohn, 
Kaiser Franz I. von Österreich)

Mit dem Sturz Robespierres, der in Frankreich den Terreur entfachte, sah man in Europa nun friedlichen Zeiten entgegen, doch ein ehrgeiziger General machte diesen Wunsch schnell zunichte: Napoléon Bonaparte setzte sich ab 1795 nach und nach an die Spitze Frankreichs und riss im Laufe der nächsten Jahre ganz Europa in den Krieg.
Als sich seine übermächtigen Truppen auch dem Königreich Neapel-Sizilien näherten - das Königreich war schlecht auf einen solchen Krieg vorbereitet - akzeptierte Maria Karolina am 10.10.1797 den von Frankreich angebotenen Sonderfrieden.

Vorsichtshalber schloss man sich 1798 jedoch der zweiten Koalition gegen Frankreich an. Im darauffolgenden Januar besetzten frz. Truppen Neapel. Maria Karolina und ihre Familie flohen daraufhin. Am 21.12.1798 begaben sie sich an Bord der HMS Vanguard und verließen Neapel am 23.12.1798 in Richtung Palermo - ins Exil nach Sizilien. Während der Überfahrt erkrankte der jüngste Königssohn Alberto Maria so schwer, dass er am 26.12.1798, kurz vor der Ankunft in Palermo, an Bord verstarb.

In Neapel wurde am 24.01.1799 die Parthenopäische Republik durch die französischen Besatzer ausgerufen.
Mit Englands Hilfe endete die neue Republik schon am 21.06.1799. Das erneute Einfallen frz. Truppen in Neapel im Sommer 1799 wurde von Admiral Horatio Nelson (1758-1805), der Napoléon bereits 1798 vor Ägypten besiegte, erfolgreich gestoppt - Ferdinand und Maria Karolina erhielten so ihren Thron in Neapel-Sizilien zurück.
Admiral Nelson wurde zum wichtigen Ratgeber des Königspaares. Seine junge Mätresse
 Lady Emma Hamilton war bereits eng mit Königin Maria Karolina befreundet, seit sie die Königin vor einigen Jahren bei deren heimlicher Korrespondenz mit deren unter Hausarrest stehenden Schwester Marie Antoinette unterstützt hatte: Auf dem Weg nach Neapel wagte sich Lady Hamilton im von der Französischen Revolution erschütterten Paris bis in die Tuilerien zu Marie Antoinette vor. Dort sprach sie persönlich mit der frz. Königin und erhielt von dieser einen vertraulichen Brief für Maria Karolina.
Die Freundschaft zwischen Lady Hamilton und Maria Karolina, die Lady Hamilton eine große politische Bedeutung in Neapel-Sizilien einbrachte, zog den Zorn der Franzosen an: man lästerte, es würde sich hierbei um eine lesbische Beziehung handeln.

Admiral Horatio Nelson (1797, Lemuel Francis Abbott) Lady Hamilton (1782, George Romney)

Zwecks diverser Heiratsverhandlungen reiste Maria Karolina im Juni 1800 mit ihren unverheirateten Töchtern, ihrem Sohn Leopoldo Giovanni sowie mit den Ehepaaren Hamilton und Nelson nach Wien. Von ihrer Ankunft im August 1800 an verweilte die Königin zwei Jahre in Wien und verbrachte viel Zeit mit ihrer dortigen Verwandtschaft, allen voran mit ihrer Lieblingsenkelin, Marie Louise (1791-1847), dem Kind ihrer ältesten Tochter Maria Theresa (1772-1807). Marie Louise wird 1810 den verhassten Napoléon ehelichen.

Napoléons Macht wuchs innerhalb der nächsten Jahre stetig und auch Italien wurde wieder eines seiner Ziele. 1805 krönte er sich selbst zum italienischen König, besiegte im Dezember die Österreicher bei Austerlitz und eroberte anschließend Maria Karolinas Neapel.

Maria Karolina von Österreich (1791, Elisabeth Vigée-Lebrun)

Napoléon machte schließlich seinen Bruder Joseph Bonaparte - 1808 dann seinen Schwager Joachim Murat - zum König von Neapel.
Maria Karolina und ihre Familie flohen im Februar 1806 erneut nach Sizilien.
Nach dem Tod des Admirals Nelson verlor die königliche Familie nun auch die Unterstützung Englands. Ferdinand I. musste 1812 auf Druck Englands zugunsten seines Sohnes Francesco I. Gennaro abdanken, wurde jedoch kurz darauf durch den Wiener Kongress in sämtliche Rechte wiedereingesetzt. Somit blieb Ferdinand I. rechtlich König beider Sizilien, wenngleich wegen der frz. Besetzung Neapels weiterhin im Exil lebte.
Maria Karolina begab sich 1813 auf den Weg zu ihrer Familie nach Wien, wo sie nach längeren Aufenthalten in Konstantinopel, Odessa, Lemberg und Budapest im Januar 1814 ankam.
Bei Kaiser Franz I. von Österreich, ihrem Neffen, setzte sie sich für die Wiedererlangung des neapolitanischen Thrones ein - noch immer herrschte dort der von Napoléon ernannte Joachim Murat.
Tatsächlich gelangte ihr Ehemann 1815 nach der Flucht Murats endlich wieder auf den Thron Neapel-Siziliens und vereinigte am 08.12.1816 beide Königreiche in das Königreich beider Sizilien.

Maria Karolina war es jedoch nicht mehr gegönnt, diesen Triumph sowie die endgültige Verbannung Napoléons miterleben zu dürfen - die Königin starb bereits am 08.09.1814 auf Schloss Hetzendorf bei Wien an den Folgen eines Schlaganfalls.
Sie wurde in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.



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