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Kapitel 10.5
Septembermassaker



Nach der Einrichtung von Überwachungsausschüssen für alle als "revolutionsfeindlich" Verdächtigten Mitte August 1792, kam es nun zu Massenfestnahmen von Hofbediensteten und eidverweigernden Priestern.
Im Zuge dieser Maßnahmen wurden die Princesse de Lamballe und Madame de Tourzel am 19. August 1792 von der Königlichen Familie getrennt und ins Gefängnis La Force überführt; hier inhaftierte man auch Madame de Tourzels Tochter Pauline.

Für die Princesse de Lamballe bedeutete die Inhaftierung das Todesurteil...
Als Anfang September 1792 preußisch-österreichische Truppen auf französisches Gebiet vorrückten, ging das Gerücht in Umlauf, die feindlichen Truppen wollten für den Fall einer Invasion blutige Rache an den Revolutionären üben.
Der amtierende Justizminister Danton, der Publizist Marat und der Dichter Fabre d'Églantine hatten mit ihren Aufrufen die Stimmung zusätzlich angeheizt.

Es kam daraufhin zu einer Massenhysterie und eine Menschenmenge stürmte die Pariser Gefängnisse.
Vom 2. bis 5. September 1792 (sog. "Septembermassaker") wurden in dieser Spontanaktion des Pariser Mobs zwischen 1.100 bis 1.400 Inhaftierte der Pariser Gefängnisse niedergemetzelt, darunter auch die Princesse de Lamballe.

Als sich die Prinzessin weigerte, den Schwur gegen die Monarchie abzulegen, wurde sie am 3. September dem wütenden Pöbel übergeben, der sie misshandelte, brutal ermordete und ihren Kopf auf einer Pike vor den Fenstern des königlichen Gefängnisses umhertrug.

Ermordung der Princesse de Lamballe (Léon-Maxime Faivre)

Im Temple saßen gerade Monsieur Cléry, inzwischen Kammerdiener des Königs, und Monsieur und Madame Tison, Bedienstete des Temple, beim Abendessen, als Madame Tison die Volksmassen durch das Fenster bemerkte. Als sie den aufgespießten Kopf der Princesse de Lamballe erblickte, find sie an, zu schreien. Die Menge, die den Schrei von drinnen hörte, schien zu glauben, es sei die Königin gewesen und verlangte von den Temple-Wachen nun, dass Antoinette sich am Fenster zeige, um den Kopf ihrer Freundin bewundern zu können.

Cléry, der den Kopf der Princesse erkannte, lief sofort zum König, da er diesen oder zumindest die Madame Elisabeth über das Geschehen unterrichten wollte.
Doch bemerkte die Königin Clérys entsetztes Gesicht und fragte nach dem Grund, weshalb er nicht mehr beim Essen sei.
Daraufhin stellte dieser seinen Bericht zurück und gab lediglich zur Antwort, dass es ihm nicht gut ginge.

Ein Beamter, der im gleichen Augenblick dazukam, wollte - dem Wunsch des Volkes entsprechend - die Königsfamilie zwingen, ans Fenster zu gehen, doch wurde er von den Wachen zurückgehalten. Daraufhin rief der Beamte in einem groben Ton zu Marie Antoinette herüber:
"Die da [die Wachen] wollen Ihnen den Kopf der Lamballe verbergen, den wir Ihnen hergebracht haben, damit Sie sehen, wie sich das Volk an seinen Tyrannen rächt. Ich rate Ihnen, sich zu zeigen, wenn Sie nicht wollen, dass das Volk hier heraufkommt !"

Marie Antoinette fiel augenblicklich vor Entsetzen und Angst in Ohnmacht. Monsieur Cléry und Madame Elisabeth kümmerten sich um die Königin, während sich der König schützend vor sie stellte und den Beamten forsch hinauszitierte.
Madame Royale und der Dauphin warfen sich schluchzend auf ihre Mutter und versuchten, sie wieder zu Bewusstsein zu bringen.

Das wütende Volk verlangte nun, dass man ihm die Königin übergibt, mit der man ebenso verfahren wollte wie mit der Prinzessin.
Der Gefängniswärter lehnte diese Forderung jedoch vehement ab, stellte sich schützend vor den Temple-Eingang und redete stundenlang beruhigend auf die Menge ein: "Antoinettes Kopf gehört euch nicht !"
Schließlich gelang es ihm, den Pöbel zum Abzug zu bewegen - der König persönlich dankte ihm später dafür.

Madame de Tourzel und ihre Tochter Pauline, die wie die arme Princesse de Lamballe ebenfalls im La Force-Gefängnis eingesperrt waren, entgingen glücklicherweise diesem grausamen Schicksal: sie konnten dank unbekannter Hilfe rechtzeitig aus dem Gefängnis fliehen.


Die Septembermorde wurden in ganz Europa mit Abscheu vernommen. Und selbst innerhalb der Reihen der Revolutionäre schreckte man angesichts des unerwartet brutalen Volkszorns zurück.


Bei der Eröffnungssitzung des Nationalkonvents am 21. September 1792 wurde die Abschaffung der Monarchie beschlossen und einen Tag später, am 22. September, die Republik ausgerufen.
Louis XVI war nun nicht mehr König von Frankreich, sondern galt als einfacher Bürger Capet.


 



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