11-1 Geheimschrank

Die Hinrichtung des Königs

Kapitel 11.1
«Armoire de fer»



Im November 1792 erhielt der Girondist und Innenminister Roland einen Tipp, der ihn zu einem brisanten Versteck führte: König Louis XVI hatte einst in seinem Appartement in den Tuilerien einen einbruchsicheren und gut versteckten Geheimschrank - l'armoire de fer - in der Wand errichten lassen. Hier waren die Korrespondenzen des Königs mit seinen Ministern, den Emigranten, den ausländischen Fürsten, aber mit auch einigen französischen Revolutionären wie Mirabeau, La Fayette und Talleyrand versteckt.

Die den König belastende Korrespondenz schlummerte also seit langem sicher in diesem Schrank - bis zu jenem Tag, als ein gewisser François Gamain (1751-1795) den Girondist und Innenminister Monsieur Roland aufsuchte und von diesem Versteck berichtete.
Gamain war ein Schmied, den der König noch aus der Zeit in Versailles kannte, da er selbst gern Schlösser schmiedete. Für den Geheimschrank hatte Louis also jenen Schmied gebeten, ihm ein entsprechendes Schloss zu fertigen.
Und nun beging dieser Schmied Verrat an seinem König.

Gamain behauptete zudem, dass er damals nach Beendigung seines Auftrags um sein Leben fürchten musste, da die Königin ihn als Mitwisser aus dem Weg räumen wollte. Sie habe ihn mit einem Croissant vergiften wollen; unter den Folgen leide er noch immer.
Sein Verrat und sein Gejammer brachten Gamain sogar eine Pension von Seiten der Regierung ein.

Die Existenz des Geheimschrankes wurde am 20. November 1792 publik. Es heißt, Roland habe manche Schriftstücke, die er im Geheimschrank vorfand, vernichtet - so z.B. Dokumente, die Danton hätten belasten können.
Die Allgemeinheit vermutete nicht ohne Grund, dass nicht alle Schriften veröffentlicht wurden, was Roland zukünftig mehr und mehr in Bedrängnis brachte. Die immer stärker werdenden Verdächtigungen von Seiten der Jakobiner zwangen Roland schlussendlich zur Flucht. Seine Frau, die berühmte Madame Roland, die in Paris blieb, wurde Ende 1793 verhaftet und hingerichtet. Als Roland vom Tod seiner Frau erfuhr, begab er sich nach Paris und beging Selbstmord.

Die ebenfalls durch die geheimen Schriften belasteten Herren La Fayette, Talleyrand und Mirabeau konnten nicht mehr bestraft werden. General La Fayette war bereits im August 1792 nach der Erstürmung der Tuilerien geflohen. Talleyrand hatte Frankreich 1792 mithilfe von Danton bereits ebenfalls verlassen. Das Doppelspiel des Mirabeau, der einst ein beliebter Redelsführer der Revolution war, flog ebenfalls auf. Mirabeau war bereits 1791 verstorben und in einem Staatsbegräbnis im Panthéon beigesetzt. Sein Leichnam wurde aufgrund der als Verrat verstandenen entdeckten Dokumente im November 1793 aus dem Panthéon entfernt.

König Louis XVI hingegen befand sich nicht in Sicherheit. Ihn konnte man noch belangen. Und so erwies sich ein Hochverratsprozess gegen den König für die Revolutionäre als "unvermeidlich".


 



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