Willkommen

Maria Theresia - ein Lebensbild

(Dokufilm, 1980)



Daten

• Österreich / BRD 1980, 2-teilig, je 90 min
• Regie: Kurt Junek
• Drehbuch: György Sebestyén

• Darsteller:

Maria Theresia (Kind) = Jasmine Chirazzi
Maria Theresia (jung) = Ulli Fessl
Maria Theresia (alt) = Marianne Schönauer
Franz Stephan (15 Jahre) = Leopold Zeisl
Franz Stephan (erwachsen) = Fritz von Friedl
Joseph II. (12 Jahre) = Marcel Philipp
Joseph II. (erwachsen) = Heinz Zuber
Maria Antonia = Ingar Schulmann
Friedrich der Große = Rudolf Bissegger
Kaunitz = Edd Stavjanik
Maria Anna (5 Jahre) = Sabine Maier
Maria Anna = Verena Wengler
Maria Christina = Brigitte Stadler
Isabella von Parma = Beatrice Wippinger
Gräfin Fuchs = Anny Birk

• Drehorte:

Graz, Styria, Österreich
Hofburg, Wien
Innsbruck, Tirol
Klosterneuburg, Österreich
Krems, Österreich
Laxenburg, Österreich
Melk, Österreich
Schönbrunn, Wien,
Stübing, Steiermark
Wien



Inhalt


Der Film ist eine Art dokumentarische Biografie. Er zeigt das Leben und Wirken der österreichischen Herrscherin Maria Theresia - vom Kindesalter an bis zum Tod.



Bewertung


Da man zum Inhalt des Films nicht viel sagen kann - er ist nunmal eine Biografie und die Fakten sind bekannt - werde ich eine umso ausführlichere Bewertung abgeben.

Ich bin zwiegespalten, was den Film angeht, weil er teils richtig gut war, teils jedoch fehlten mir Dinge, auf die ich bei einer filmischen Biografie niemals verzichten möchte.
Aber, der Reihe nach...


Ich fang mit dem an, was mir nicht gefiel:

Die Kriegsszenen waren mir eindeutig zu viel.
Es waren ja immer Filmausschnitte aus noch älteren Filmen und daher hätte man das Thema "Krieg" ruhig reduzieren können.
Ganz verzichten, geht natürlich nicht, schließlich war Maria Theresias Herrschaft von einigen Kriegen durchzogen, ganz zu schweigen von den kriegerischen Auseinandersetzungen zu Beginn ihrer Herrschaft oder dem Siebenjährigen Krieg.
Verzichten konnte man daher natürlich nicht auf dieses Thema, zumal bei jedem Krieg wunderbar die sich immer ändernden Koalitionsverhältnisse in Europa aufgezeigt wurden.
Aber, man hätte es aufs Wesentlichste beschränken können. Diese Einschnitte aus alten Filmaufzeichnungen waren recht störend.

Ein weiterer Minuspunkt geht an das nahezu völlige Vernachlässigen der Kaiserlichen Familie. Das Beleuchten der Familie gehört für mich zu einer Biografie unbedingt dazu. Zumal gerade die Maria Theresia ganz groß Politik mit ihrer Familie betrieben hatte - man bedenke ihre großangelegte Heiratspolitik !
Erwähnung fand das Thema zwar, aber ein bisschen mehr Ausschmückung hätte nicht geschadet.
Familiäre Augenblicke sah man selten, außer Joseph II. bekam man von den 16 Kindern allerhöchstens kurz Marie Christine und ihren Albert sowie ein paar Minuten Marie Antoinette zu sehen, ansonsten niemanden.
Joseph II. war der Einzige, der allgegenwärtig war.
Maria Theresia sprach zwar oft über ihre Kinder, über die Erziehung, ihre Sorgen, doch gezeigt wurde davon leider nicht viel.

Schade, dass man zudem kaum etwas über die Eltern Maria Theresias erfuhr. Der Vater wurde zwar erwähnt, die Mutter jedoch gar nicht.
Wenigstens die Gräfin Fuchs bekam ihre Rolle im Film.

Auch die Ehe von Maria Theresia und Franz Stephan blieb außen vor.
Man merkte zwar an ihre Äußerungen, dass sich die beiden innig zugetan waren, aber nicht einmal die Hochzeit sah man - nur per Gemälde.


Was mir gefiel:

Ich fand die Erzählung aus der Sicht der Kaiserin toll.
Nur aus diesem Grund bekam der Film meiner Meinung nach trotz der o.g. Minuspunkte seinen Charme.
Ein neutraler Erzähler hätte dem Zuschauer niemals das Leben, Denken und Fühlen der Maria Theresia näherbringen können.
Wurde zwar z.B. die Familie kaum gezeigt, erfuhr man zumindest aus der Sprechrolle der Kaiserin, wie sie dachte, was ihr die Familie bedeutete usw.

Ein großes Thema im Film war u.a. der Zwiespalt zwischen Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph. Die Probleme der beiden miteinander wurden toll wiedergegeben und auch verständlich rübergebracht.
Josephs Gedankengänge kamen wunderbar und einleuchtend rüber, er war ganz offensichtlich ein aufgeklärter Mann, der sich für sein Volk einsetzen wollte. Doch scheiterte er meist an seiner konservativen Übermutter.

Dank dieser gewöhnungsbedürftigen Art des Films, die "Kontrahenten" jeweils für sich zu zeigen und nicht nur aus der Sicht der Maria Theresia, war der Film recht abwechslungsreich.
Was ich damit meine ? Hier ein Beispiel:
Maria Theresia schrieb einen Brief an Friedrich den Großen. Sie erzählte uns, was sie schrieb und man erfuhr von ihren Gedanken, ihrer Wut.
Ein Bote überreichte Friedrich den Brief. Nun wechselte man in die Sicht des Königs. ER erzählte nun, wie ER dachte und fühlte, und schrieb eine Antwort an die Kaisern, worauf man wieder in DEREN Sicht zurückwechselte.

So ging es nicht nur mit Preußen, sondern man zeigte auch die Gedankengänge von Sachsen, Bayern, Schweden, Frankreich usw. - ganz kurz jedoch und nicht so ausführlich wie Preußen.

Einen schönen roten Faden hatte der Film überdies: ein Orangenbäumchen auf dem Fenstersims der Kaiserlichen Residenz.
Jenes Orangenbäumchen zog sich durch den gesamten Zweiteiler. Wir wurden Zeuge all seiner Entwicklungsphasen, die den Entwicklungsphasen der Kaiserin gleichgeschaltet waren:
Zu Beginn ein kleines, junges Pflänzchen, wächst es zu einem prächtigen Zimmer-Orangenbäumchen heran, trägt schließlich sogar Früchte. Gegen Ende der Herrschaft der Kaiserin jedoch, geht es auch mit dem Orangenbäumchen zu Ende, es verliert seine Blätter und stirbt schließlich.

Ganz besonders gut fand ich die Entwicklungsstadien des Kaiserreiches, die 3x aufgezeigt wurden:
Maria Theresia berichtet beim ersten Mal über die Zustände ihres Landes zur Zeit ihrer Kindheit (Armut & Hunger, schlechte Schulbildung, keine Fortschritte in der Medizin, unausgebildete Armee usw.).
Der zweite Blick auf diese Probleme erfolgt zu Beginn ihrer Herrschaft, als sie sich all dieser Dinge annimmt und aktiv gestaltet.
Und schlussendlich resümiert sie am Ende ihrer Herrschaft, zählt dieselben Dinge erneut auf und man sieht die Fortschritte, die ihr gelungen sind.


Alles in allem ist der Zweiteiler aus 1980 ein empfehlenswerter Film, der außergewöhnlich gestaltet wurde und wunderbar unterhält und erklärt.
Die Qualität entspricht natürlich keinem neuzeitlichen Film, man merkt ihm das Alter an. Das ist schade und schreit förmlich nach einer neuen Verfilmung. Wenn doch nur das Interesse an dieser großen Kaiserin so gewaltig wäre, wie das an Kaiserin Elisabeth ('Sisi'), die - geschichtlich gesehen - weit weniger zu bieten hatte...



Filmbilder


die junge Kaiserin nach dem Tod des Vaters
Maria Theresia und Franz Stephan
Maria Theresia
Maria Theresia als Kaiserwitwe



 


zum MarieAntoinette-Forum


rechtlicher Hinweis:
Texte (Copyright) © MariaAntonia 2008-2017

Nach oben