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Kapitel 2.5
Paris !



Louis Auguste und Marie Antoinette konnten sich großer Beliebtheit im Volke erfreuen. Die Menschen liebten das junge Thronfolgerpaar. Die Herzlichkeit und Mildtätigkeit der beiden war einer der Gründe für diese Euphorie im Volk:

Als am 29.12.1772 des nachts im Bürgerspital Hôtel-Dieu ein schreckliches Feuer ausbrach und viele Menschenleben forderte, spendete die Dauphine augenblicklich 1.000 Taler. Der Dauphin ließ sofort Unterstützung nach Paris schicken.

Am 16.10.1773 wurde der Winzer Pierre Grimpier während einer königlichen Hetzjagd durch das Dorf Achères im Wald von Fontainebleau von einem Hirsch verwundet. Der Winzer befand sich gerade in seinem Garten, als der gejagte Hirsch auf ihn zusprang und ihn zu Boden riss. König Louis XV. ließ  umgehend einen Arzt rufen. Und während der König die Jagd wieder aufnahm, verließ die Dauphine ihre Kutsche, um sich um die trauernde Witwe zu kümmern und diese zu trösten:

"Le trait d´humanité de Madame la Dauphine" (Jean Michel Moreau)

Und am 09.05.1774 bat Marie Antoinette ihren Gatten, sich für die Senkung des Brotpreises einzusetzen. Sie selbst spendete 200.000 Livres an die Armen von Paris.

Ob sich Marie Antoinette der Liebe des Volkes und den daraus entstehenden Pflichten vollends bewusst war, ist nicht bekannt. Sie genoss die Euphorie der Menschen. Doch wirft man ihr heute vor, sie habe sich zu schnell an ihre Beliebtheit gewöhnt, sie als verständlich angesehen und später zu schnell vergessen, dass man sich die Zuneigung des Volkes verdienen muss.

Jedenfalls sehnte sich Marie Antoinette bereits 1771 danach, sich endlich offiziell dem Volk zu zeigen und Paris zu betreten.
Der 08.06.1773 war für das junge Thronfolgerpaar daher ein ganz besonderer Tag: zum ersten Mal besuchten sie offiziell Paris !
Es war ein langer Kampf, den Marie Antoinette über sich ergehen lassen musste, ehe man ihr endlich erlaubte, die Hauptstadt ihrer neuen Heimat zu betreten.
Immer wieder fanden die Zeremonienmeister Gründe, weshalb ein Paris-Besuch nicht ratsam sei. Stefan Zweig äußert in seiner Biographie gar, dass hier der halbe Hof versuchte, den Einzug der Dauphine in Paris zu verhindern. Allen voran die Tanten, Mme du Barry sowie beide Schwager sorgten wohl immer wieder für Verzögerungen - und das in erstaunlicher Eintracht dieser Herrschaften, die sich eigentlich spinnefeind waren - , da man den Triumph der Dauphine befürchtete...

Bereits am 13.02.1773 hatte Marie Antoinette die Erlaubnis des Königs erhalten, inoffiziell nach Paris zu fahren und maskiert an einem Opernball teilzunehmen. Umso mehr verlangte sie nun auch einen offiziellen Besuch.
Im Mai 1773 beschloss Marie Antoinette daher, mit ihrer Bitte direkt an den König heranzutreten. Dieser gutmütige alte Mann, der Antoinette nichts abschlagen konnte, gab also nun seine Zustimmung und erlaubte ihr sogar, den "großen Tag" selbst zu wählen.
Und so entschied sich die Dauphine für den 08.06.1773.

Blumenbeschmückte Straßen und jubelnde Menschen begrüßten das Thronfolgerpaar in Paris und das Wetter hätte an diesem Tag nicht schöner sein können.

Louis Auguste und Marie Antoinette besuchen am 08.06.1773 erstmals die Stadt Paris (1773, Gabriel Jacques de Saint-Aubin)

Marie Antoinette eroberte an diesem Tag die gesamte Pariser Bevölkerung. Man war entzückt von dieser jungen, schönen Thronfolgerin, ein Meer aus Fahnen und Tüchern winkte ihr zu, man bejubelte sie. Und Marie Antoinette wurde hier und heute der Glanz und die Größe ihrer zukünftigen Stellung als Königin bewusst.

Auf dem Balkon der Tuilerien erhielt die Dauphine einen Überblick über die riesigen Menschenmassen, die heute ihretwegen erschienen sind.
Es muss ein umwerfender Augenblick für die junge Thronfolgerin gewesen sein, die - erstarrt vor Glück - vor einer solch gigantischen Kulisse stand. Da verbeugte sich der anwesende Marschall von Brissac, Gouverneur von Paris, vor ihr und sprach:
»Madame, (...) Sie sehen hier 200.000 Menschen, die in Sie verliebt sind.«

Wegen dieser Liebe des Volkes, die ihr am 08.06.1773 entgegenströmte, verfiel Marie Antoinette augenblicklich der Stadt Paris.
Im Gegensatz zum steifen, langweiligen Hofleben, bedeutete Paris mit seinen vergnüglichen Bällen und Operaufführungen bald die pure Lebenslust.
Und so "floh" die Dauphine fortan immer öfter aus dem Schloss, um sich dem nächtlichen Pariser Leben hinzugeben... ohne zu merken, dass diese neue Freiheit großen Argwohn bei Hofe und im Volk hervorrief...

Bei einem der vielen Opernbälle, die Marie Antoinette seit ihrem großen Triumph, in Paris besuchte - hin und wieder auch incognito mit kleinem Gefolge - , lernte sie am 30.01.1774 den schwedischen Grafen Hans Axel von Fersen kennen.

Graf von Fersen

Von Fersen, der die Dauphine nicht erkannte, hatte sie plötzlich angesprochen. Die Tatsache, dass der Graf sie nicht zu erkennen schien und ihr neu errungenes Selbstbewusstsein, ließen Marie Antoinette alle Vorschriften vergessen und mit dem jungen Mann freimütig plaudern. Ihre Hofdamen mussten schließlich ihrer Herrin Einhalt gebieten und sie an ihre Stellung erinnern.

Bereits wenige Tage später, am 08.02. und am 16.02.1774 beim Faschingsball der Dauphine, begegnete Marie Antoinette dem Grafen erneut. Da es sich jedoch um hochoffizielle Bälle handelte, war eine Unterredung, geschweige denn ein "sich bereits kennen" ausgeschlossen.

Zwischen Marie Antoinette und dem Grafen von Fersen wird sich bald eine Freundschaft entwickeln, die bis in den Tod hält...




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