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Marie Antoinette
~ die Ausstellung ~

(Paris, 15.03.2008 - 30.06.2008)



Während meines Paris-Aufenthalts im Juni 2008 besuchte ich mit meiner Schwester auch die Marie Antoinette-Ausstellung im Grand Palais.Am Samstag, 21.06.2008, gegen 12:30 Uhr betraten wir das Grand Palais durch den Eingang im Square Jean Perrin und begaben uns auf eine Reise durch das Leben der französischen Königin Marie Antoinette.

Anhand von bekannten und teils auch unbekannten Gemälden und persönlichen Gegenständen, untermalt mit künstlerisch gestalteten Räumen und Musik führte uns die Ausstellung durch das Leben der Marie Antoinette. An jeder Wand waren Zitate der Marie Antoinette zu lesen.

Die Räume wirkten königlich, waren meist in weinrot gehalten... bis auf die Räume, die das Thema Gefangenschaft und Tod innehatten, diese waren komplett abgedunkelt, in schwarz gehalten.

Die Trianon-Zeit zeigte man in einem ganz besonderen Stil: tapetenartig und örtlich versetzt wurden der Liebestempel und der Trianongarten an den Wänden dargestellt. Naturgeräusche sorgten dafür, dass man sich noch mehr in diesen Ort einfinden konnte:

Bemerkenswert fand ich den Übergang von der fröhlichen Zeit zu den letzten Jahren. Man durchschritt einen Gang und lief geradewegs auf eine riesige Glasscheibe zu, die komplett zersprungen war... sinnbildlich dafür, dass hier schwere Zeiten anstehen.

Begonnen wurde mit der Kindheit der kleinen Erzherzogin Maria Antonia in Wien.

Man konnte berühmte Gemälde bewundern, u.a. das Gruppenbild der Kaiserfamilie aus dem Jahre 1755 (Martin van Meytens, der Jüngere)...

... aber auch sechs der Liotard-Gemälde der Kaiserkinder:

Maria Elisabeth (1762, Jean-Étienne Liotard) Karl Joseph (1762, Jean-Étienne Liotard) 
Maria Amalia (1762, Jean-Étienne Liotard) Johanna Gabriela (1762, Jean-Étienne Liotard) 
Maria Josepha (1762, Jean-Étienne Liotard) Maria Antonia (1762, Jean-Étienne Liotard) 

Zudem waren die van Meytens-Gemälde ausgestellt, auf denen kleine Gruppen der Kaiserfamilie zusehen waren:

• die Kaiserin mit ihren Kindern Joseph und Maria-Christina sowie Schwiegertochter Isabella von Bourbon-Parma,
• der Kaiser mit den Kindern Maria-Anna, Maria-Elisabeth und Leopold,
• ein Gruppenbild mit den Kindern Maria-Amalia, Maria-Josepha und Ferdinand,
• ein Gemälde, auf dem die Kinder Maria Karolina, Maria Antonia, Maximilian sowie das Enkelkind Marie-Thérèse zu sehen sind:

 
Maria Theresias Familie; v.l.n.r.: Enkelin Marie-Thérèse, Töchter
Maria Karolina & Maria Antonia sowie Sohn Maximilian (1763)

Aber auch Einzelgemälde von Kaiser, Kaiserin und einigen Kindern wurden ausgestellt, Gemälde und Zeichnungen von Schloss Schönbrunn sowie eigene Werke der Erzherzogin Maria Christina von Österreich.

  
Maria Antonia und ihre Brüder tanzen das Pantomime-Ballett
"Le Triomphe de l'amour" anlässlich der Hochzeit von Bruder Joseph mit
Marie-Joséphine-Antoinette de Bavière, am 24.01.1765 (Georg Weikert)

 
Schloss Schönbrunn (1659/60, Bernardo Bellotto, genannt Canaletto)

 
Nikolausbescherung in der Kaiserfamilie; v.l.n.r.:
Maria Christina, Ferdinand, Maria Antonia (mit ihrer Lieblingspuppe),
Maximilian (unterm Tisch) sowie Maria Theresia & Franz I. Stephan
(Erzherzogin Marie Christine)

Weiterhin waren persönliche Gegenstände aus dem Besitz des Kaiserpaares zu sehen, so z.B. die Geschenke von Louis XV. und von Mme de Pompadour an Maria Theresia:

 

Es folgte das Thema Dauphine de France.
Besonders schön fand ich das Gemälde, das zu einem meiner liebsten von Marie Antoinette gehört:

 
Erzherzogin Maria Antonia (1769, Joseph Ducreux)

Weiterhin waren einige Gemälde des Dauphins Louis-Auguste und des Königs Louis XV. zu sehen, aber hauptsächlich beschäftigte sich dieses Thema mit der Anreise der Dauphine in Frankreich sowie mit der Hochzeit des Thronfolgerpaares.

 
Anreise Marie Antoinettes in Versailles

Es gab sogar eine Zeichnung (in Farbe) von der Hochzeit:

 

Zudem gab es die Hochzeitsurkunde, diverse Zeichnungen von der Hochzeitsfeier und - das fand ich sehr interessant - den Plan der königlichen Sitzanordnung beim Hochzeitssouper.

 
Illumination des Schlossparks anlässlich der Hochzeit

 
Königliche Oper: Präsentation von Racines Athalie am 23.05.1770 (Jean Michel Moreau, der Jüngere)

 
Sitzordnung beim Souper

Ich erwähnte ja schon, dass an den Wänden immer mal Zitate von Marie Antoinette standen, die z.T. aus ihren Briefen an die Mutter stammten.
Doch einige Briefe waren auch im Original ausgestellt, so z.B. der allererste Brief (09.07.1770), den die Dauphine an ihre Mutter schrieb.

Weiter ging es mit dem Leben der Dauphine am Versailler Hof, was passend mit Ein Kind am Hofe betitelt wurde.
Hier wurden die Schwager Provence und Artois sowie deren Frauen vorgestellt.

Zudem gab es diverse Dinge aus dem persönlichen Besitz der Dauphine zu bewundern: Tischchen, Uhren, Koffer u.a.

Ganz besonders angetan hatte es mir eine Zeichnung, vor der ich bestimmt 10 min stand. Man sieht die Dauphine eine ärmliche Frau trösten - das Bild soll aufzeigen, welche Herzlichkeit und Güte die Dauphine dem Volk entgegenbrachte:

 
Marie Antoinette tröstet die Frau des Winzers Pierre Grimpier, welcher am 16.10.1773 während
einer Hetzjagd durch das Dorf Achères im Wald von Fontainebleau von einem Hirsch verwundet
wurde. Der Winzer befand sich in seinem Garten, als der gejagte Hirsch auf ihn zusprang und ihn
zu Boden riss. Der König ließ einen Arzt rufen. Und während der König die Jagd wieder aufnahm,
verließ die Dauphine ihre Kutsche, um sich um die trauernde Witwe zu kümmern.

Das nächste Thema lautete Reine de France ~ Königin von Frankreich.
Hier wurde bildlich das junge Königspaar vorgestellt sowie die Krönung gezeigt.
Es folgte ein Unterthema, welches das Mutterglück der Königin behandelte, insbesondere die Geburt der Madame Royale und des ersten Dauphins sowie die jeweiligen Feierlichkeiten.

 
Geburt der Madame Royale am 19.12.1778

 
Die Königliche Familie vereint, anlässlich der Geburt des Dauphins Louis-Joseph.
v.l.n.r.:
die drei Artois-Kinder, die Comtesse d'Artois, der Comte d'Artois, König  Louis XVI,
Madame Royale, der Dauphin auf Marie-Antoinettes Schoß, Madame Elisabeth sowie
der Comte und die Comtesse de Provence. Der Comte de Provence, welcher bislang
als Nächster in der Thronfolger galt, schaut nicht sonderlich glücklich, denn nun hat
die Königin einen Sohn und Thronfolger zur Welt gebracht.

  
links: Marie Thérèse Charlotte, Madame Royale
rechts: Madame Royale & Louis Joseph (1784, Elisabeth Vigée-Lebrun)

Auch das Geschenk der Stadt Paris, anlässlich der Geburt des Thronfolgers - ein Koffer - wurde ausgestellt.

Es folgen die bekannten Reiterbilder, auch jenes, das die Königin in Reiterhosen zeigt, sowie Büsten und weitere persönliche Gegenstände der Königin aus allen Schlössern (Versailles, Petit Trianon, Choisy, Marly, Compiègne, Fontainebleau usw.), u.a. ihre Harfe, Kommoden, Stühle, Tische, Schalen, Vasen, Kalender, Services u.a.:

  
  

Auch gab es nochmal Bilder von den Geschwistern und deren Familien, sowie von den Tanten des Königs und - ganz interessant - eine Gegenüberstellung zweier Gemälde von Charles Leclercq:

  
links: die Comtesse d'Artois mit ihren Kindern
rechts: Marie Antoinette und ihre Kinder

Das Thema um den Style der Königin beschäftigte sich mit deren Kleidermode, den Frisuren und ihrer Schneiderin Rose Bertin.

 

Die Trianon-Zeit und deren Gestaltung bei der Ausstellung hatte ich ja weiter oben schon mal angesprochen.
Es gab natürlich einige Zeichnungen des Petit Trianon und seiner Umgebung sowie erneut diverse Gegenstände der Königin.

 
Illumination des Belvédère im Petit Trianon-Park, anlässlich eines Festes zu
Ehren des Besuchs von Kaiser Joseph II., am 03.08.1781 (Claude-Louis Châtelet)

In einem extra Raum dieses Themas wurde der private Kreis der Königin vorgestellt, u.a. hingen dort die bekannten Gemälde von Mme Elisabeth, Mme de Polignac und der Princesse de Lamballe, aber auch vieler anderer Personen, die zum cercle privé der Königin zählten, u.a. der Comte de Fersen, der Comte de Vaudreuil (Geliebter der Mme de Polignac), Madame Campan und M. Bonnefoy du Plan, dem Concierge von Petit Trianon.

  
Madame de Polignac & Madame Elisabeth

  
Princesse de Lamballe & Axel von Fersen

 
Monsieur Bonnefoy du Plan

Weiter sind das Theater der Königin thematisiert sowie der Liebestempel, Belvédère und Hameau.

Nun folgt der Moment, den ich ebenfalls schon angeschnitten hatte: man steht plötzlich vor einer großen, zersprungenen Glasscheibe und weiß, hier hören die unbeschwerten Zeiten auf.
Direkt darauf folgt der Halsketten-Skandal, der durch ein Replikat des Colliers dargestellt wird:

 

Die Gegenstände der unmittelbaren Umgebung - u.a. ein von Diamanten besetzter und mit Gold verzierter Schrank - deuten wohl auf die stets angeprangerte Verschwendungssucht der Königin hin.

 

Allerdings wird auch verdeutlicht, dass die Königin meist gar keine Wahl hatte, sparsam zu sein... dies zeigte die folgende Gemäldegegenüberstellung:

  

Elisabeth Vigée-LeBrun portraitierte 1783 die Königin, eine "chemise de la Reine" (auch "en gaulle" genannt) tragend (links).
Die Ausstellung dieses Portraits im Salon von 1783, führte zu einem Skandal, da man die Königin als zu schlicht gekleidet empfand.
Prompt musste die Künstlerin ihr Werk zurückziehen und sah sich gezwungen, ein neues - passenderes - anzufertigen: "Marie Antoinette à la rose" (rechts), mit gleichem Motiv wie "Marie Antoinette en gaulle".

Zwischendurch erscheinen immer wieder Bilder, die das Familiäre aufzeigen. Die Kinder der Königin, aber auch Gruppenbilder der Königin mit ihren Kindern sind über die gesamte Ausstellung verteilt. Man hat immer wieder das Gefühl, dass die familiären Einschnitte der Königin Aufheiterung bieten, in einer Zeit, die gegen sie arbeitet.

Das nun folgende Thema Die Macht des Schicksals läutet die letzten Jahre ein und zeigt sich ausgesprochen düster gestaltet, so dass man als Besucher direkt eine Abneigung gegen das bevorstehende schreckliche Ende der Königsfamilie verspürt.
Eine lange düstere Halle beherbergt diverse Schmähzeichnungen, die die Zeit vom Sturm auf die Bastille über den Marsch der Pariser Frauen nach Versailles und die Flucht der Königsfamilie bis hin zur Inhaftierung im Temple darstellen.

 

Das Leben in den Tuilerien und im Temple wird ein wenig genauer beleuchtet, man kann u.a. die Schreibhefte des Dauphins und der Madame Royale bewundern oder eine Modell des Temple, aber auch das Unterhemd (Chemise) von Marie Antoinette, dann das Lottospiel des kleinen Louis-Charles sowie ein schwarzes Haarband der Königin und ein Medaillon mit einer Haarsträhne von ihr und des Dauphins.

  
links: Marie Antoinette im Temple (1792, Alexandre Kucharski)
rechts: das Unterhemd der Königin

 
Die Königsfamilie beim ersten Abendessen im Temple

Es folgte ein Gemälde der Hinrichtung des Königs sowie das bekannte Gemälde "Marie Antoinette à la prison de la Conciergerie".
Auch der Abschiedbrief der Königin war ausgestellt, wie auch die Zeichnung von Jacques-Louis David "Marie Antoinette auf dem Henkerskarren".

  
links: Marie Antoinette als Witwe in der Conciergerie (1793, Alexandre Kucharski)
rechts: Marie Antoinette auf dem Henkerskarren (1793, Jean Jacques David)

Hier endete die Ausstellung über die Königin Marie Antoinette.


Wir waren ganz verzaubert voll all der Pracht der Gemälde und persönlichen Gegenstände.
Es ist ein wahres Vergnügen, all diese Kostbarkeiten gesammelt bewundern zu dürfen... Museen aus aller Welt - Frankreich, Deutschland, Österreich, den USA, Ungarn, Italien, Portugal, Großbritannien, Russland, Schweden und die Schweiz - trugen dazu bei, dass das Grand Palais eine solche Ausstellung organisieren konnte.

Im direkt auf die Ausstellung folgenden Souvenirshop ging das Herz des Sammlers erneut auf... unzählige Bücher, Postkarten, DVD, Kataloge, Zeitschriften u.a. warteten auf uns.
Ich habe mir u.a. den Ausstellungskatalog gekauft, der alle Ausstellungsstücke noch mal beinhält, sowie ein weiteres Buch über die Königin, diverse Postkarten und ein hübsches Lesezeichen.

Neben dem Souvenirshop befand sich ein hübscher Süßigkeiten- bzw. Bäckerstand der berühmten Firma Ladurée, bei dem man diese unglaublich süßen Makronen in allen Geschmacksrichtungen kaufen konnte.
In Anlehnung an den Schlemmerrausch im 2006er Film "Marie Antoinette" passte dieser pastellgrüne Stand irgendwie ganz gut hierher.
Mit ein paar Macronen - Caramel ist nicht zu empfehlen (viel zu süß), dafür aber Cocos und Café - setzten wir uns noch mal in den Square Jean Perrin und gönnten uns bei diesem herrlichen Wetter eine Pause.


~ Ende ~



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