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Leb wohl, meine Königin!

(F, 2011)

 



Daten


Frankreich, 2011, 100 min
Erstausstrahlung: 09.02.2012 als Eröffnungsfilm der 62. Berlinale
Premiere: 09.02.2012 (Berlinale 2012, Berlin)
Kino-Premiere Frankreich: 21.03.2012
Kino-Premiere in Deutschland: 31.05.2012

Regie & Drehbuch: Benoît Jacquot
Romanvorlage: Chantal Thomas

Originaltitel: Les adieux à la reine
dt. Titel: Leb wohl, meine Königin!
engl. Titel: Farewell, My Queen

Homepage zum Film: lebwohlmeinekoenigin-film.de

Darsteller:

Marie Antoinette = Diane Kruger

Louis XVI = Xavier Beauvois
Agathe Sidonie Laborde = Léa Seydoux
Gabrielle de Polignac = Virginie Ledoyen
Jacob Nicolas Moreau = Michel Robin
Madame Campan = Noémie Lvovsky
Rose Bertin = Anne Benoît
Comte de Provence = Grégory Gadebois
Comte d'Artois = Francis Leplay
Honorine = Julie-Marie Parmentier
Louison = Lolita Chammah
Duc de Polignac = Jean-Chrétien Sibertin-Blanc
Maréchal de Broglie = Jean-Marc Stehlé
Paolo = Vladimir Consigny

Trailer:

» deutscher Trailer bei youtube
» 
französischer Trailer bei youtube

Drehorte:

Château de Versailles
[weitere Daten folgen]



Buchvorlage

 


Der Film orientiert sich am bekannten Roman Roman Leb wohl, Königin ! (frz. Originaltitel: Les adieux à la reine) von Chantal Thomas:

Wien wurde von Napoléon erobert. Einige, während der Französischen Revolution aus Frankreich geflohenen Royalisten treffen sich in der Kaiserstadt, um in Erinnerungen zu schwelgen und sich nach der einstigen Pracht von Versailles zurück zu sehnen.
Agathe-Sidonie Laborde, die zweite Vorleserin der hingerichteten Königin Marie Antoinette, lässt dabei die ungewissen Tage in Versailles, vom 14. bis 17. Juli 1789 aufleben...

Das Buch gefiel mir sehr gut. Es ist in sich stimmig, beachtet die historischen Vorgaben und liest sich flüssig. Dem Buch gelingt es, den Leser - wie auch die Hauptperson Mademoiselle Laborde - zurück in die letzten Momente des Ancien Régime zu enführen.



Bewertung zum Film


Heute war es endlich soweit: am 31. Mai 2012 kam der Film in die deutschen Kinos.
Ich komme gerade von der 17:15 Uhr-Vorstellung und bin noch ein wenig geflasht von den Eindrücken.
Enttäuscht war ich direkt vom unglaublich geringen Interesse am Film. Als ich mir eine halbe Stunde vor Beginn die Kinokarte kaufte und fragte, welche Plätze denn im Saal zur Auswahl stehen, meinte die Kinoangestellte: "Sie haben freie Platzwahl, Sie sind die Erste. Aber es kommen sicher noch ein paar Leute."
Mit nichten, ich saß mit ca. sieben Leuten im Kino.

Das mangelnde Interesse anderer am Film spiegelte jedoch glücklicherweise keinesfalls die Qualität des Films wider. Der Film gefiel mir richtig gut. Er ist düster - das passt ja. Schließlich geht es diesmal nicht um die kunterbunte Bonbon-Welt am Versailler Hof aus dem 2006er Film Marie Antoinette von Sofia Coppola.
"Leb wohl, meine Königin!" behandelt stattdessen die nervenaufreibenden ersten Tage der Revolution - begonnen mit dem so ruhigen und sonnigen 14. Juli 1789, als es in Paris heftig brodelte und die Bastille fiel, während die High Society in Versailles noch unbeschwert den Sommertag genoss. Im Laufe des folgenden Tages wurde klar: die schillernde Welt, wie sie einst war, ist nicht mehr, die Welt steht vor einem Umbruch und niemand weiß, wie schnell und wie stark die Veränderungen das eigene Leben betreffen.
Dank Marie Antoinettes zweiter Vorleserin Sidonie Laborde erfahren wir eben jene Momente diesmal nicht aus der Sicht des Königspaares oder des Volkes, sondern aus der Sicht einer Bediensteten bei Hofe. Sidonie verehrt ihre Königin und stellt damit den großen Widerspruch im Film dar: sie selbst, die sich ein Leben ohne Marie Antoinette nicht vorstellen kann, gehört zu der Volksschicht, die sich soeben von den Fesseln der Unterdrückung zu befreien versucht...
Sidonie lebt für jeden Moment, den sie mit der Königin verbringen darf, für jedes Wort, das die Herrscherin an sie richtet und jede Geste, die sie von ihr erhält.
Dank Sidonie erhalten wir einen wundervollen Einblick in die weniger pompösen Ecken des schillernden Palastes, sehen wie die Bediensteten leben - oder eher "hausen" - und ebenso jene Adligen, die daheim in einem Schloss residieren könnten und doch das kleine prunklose Zimmerchen in Versailles bevorzugen, um wenigstens ein paar Male in der Woche ihren König durch den Spiegelsaal flanieren zu sehen.
"Wie erbärmlich!" möchte man da ausrufen... doch aus heutiger Sicht ist diese Königsverehrung einfach nicht erklärbar. Die Nähe zum König bedeutete alles - unter dem Sonnenkönig Louis XIV noch mehr als unter Louis XVI.

Wir erleben also den Alltag einer Schlossbediensteten, ihr morgendliches Erwachen, das Frühstück in der Großraumküche zusammen mit ihren Kollegen, die kurzen strahlenden und aufregenden Momente im Dienste ihrer Herrin, die restlichen täglichen Beschäftigungen und kleinen Amusements am Abend. Wir begeben uns gemeinsam mit Sidonie auf die Recherche nach den neuesten Neuigkeiten - die Neugier der Dienerschaft ist verständlicherweise groß, ebenso wie die Unsicherheit ob der ungewissen Zukunft, denn nur langsam sickern die Informationen von den oberen bis in die unteren Hofschichten durch.
Man leidet förmlich mit ihnen und die Angespanntheit ist deutlich spürbar.

Zu den Darstellern und den dargestellten Personen:

Sidonie ist als Hauptperson in allen Facetten toll dargestellt. Ihre Liebe zur Königin kommt gut und ehrlich rüber und man leidet in ihrem Namen mit, wenn sie sich um Marie Antoinette sorgt, sie vor fluchenden Kollegen verteidigt und alles für sie opfern würde.
Die herbe Enttäuschung am Ende des Filmes wie auch im Buch ist umso erdrückender, wenn Marie Antoinette ihr den Auftrag gibt, als "Köder" für die Favoritin Madame de Polignac zu fungieren.
Sie wird ihrer Königin verzeihen, das wissen die Leser des Buches - im Film bleibt das offen.

Marie Antoinette gefiel mir ebenfalls sehr gut. Der Regisseur scheint sein Hauptaugenmerk darauf gelegt zu haben, Marie Antoinettes sprunghafte Charakterwandlungen - von liebevoll über verängstigt, verletzlich und sorgenvoll bis hin zu herrisch in stressigen Situationen - aufzuzeigen.
Diane Kruger hat ihre Rolle gut gespielt. Auch passt sie m.M.n. recht gut in diese Besetzung. Der Kinobesucher kennt Marie Antoinette möglicherweise noch in jungen Jahren, als Kirsten Dunst die Königin mimte. Diane Kruger ist da einfach die zeitlich perfekte "ältere" Besetzung.
Und jeder, der wie ich aufgrund des Trailers befürchtete, dass Marie Antoinette von den Filmemachern in eine lesbische Beziehung gedrängt wird, wird zum Glück eines besseren belehrt. Natürlich wird die innige Freundschaft zu Gabrielle de Polignac thematisiert und man kommt nicht umhin, zu vermuten, dass da gleich noch weit Intimeres gezeigt wird. Aber dem ist nicht so.
Im Prinzip ist es nicht intimer als manche innige Frauenfreundschaft, bei der sich die Protagonisten an die Hand oder in Zeiten der Angst gegenseitig in den Arm nehmen und Nähe suchen. Mehr nicht.
Und beim Abschied für immer reagiert Marie Antoinette verständlicherweise verzweifelt und sucht die ihr kostbare Nähe zur Freundin.

Auch der König gefiel mir sehr gut - der Film zeigt ihn nicht verweichlicht, sondern in seinen wenigen Szenen sehr gefasst und entschlossen.

Madame de Polignac wird extrem schlecht dargestellt - nicht im Sinne von schlecht geschauspielert, sondern im Sinne von "die Königin im Stich lassen".
Sie ist unglaublich kalt, lässt die Königin warten, in einem Moment, in dem diese sie am meisten braucht. Man sieht ihr förmlich die Erleichterung an, als die Königin ihr unter Tränen befiehlt, Frankreich zu verlassen. Marie Antoinette will ihre liebste Freundin im sicheren Basel wissen und Gabrielle kann es gar nicht erwarten, Versailles endlich den Rücken zu kehren. Kein warmes Wort kam ihr für die Zurückbleibende über die Lippen - Madame de Polignacs Darstellung im Film hätte nicht kälter sein können...

Was mich sehr überraschte, war die - im Gegensatz zum Buch - positive Darstellung der Madame Campan. Ihre strenge Art unterliegt korrekterweise der steifen Hofetikette. Doch am Ende kommt der nicht vermutete Hauch von Wärme zum Vorschein: sie flüstert nach langem Überlegen leise Sidonie zu, die Bitte der Königin abzulehnen. Sidonie erfährt kurz darauf, was die Campan damit meinte... die Bitte Marie Antoinettes ist für Sidonie jedoch ein Auftrag, den sie nicht abzulehnen vermag: sie soll mit Madame de Polignac nach Basel fliehen und während der Reise als "Köder" die Rolle der Herzogin übernehmen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, die Abschlussszene richtig verstanden zu haben: bei einer Kontrolle der Kutsche der Polignacs sieht sich der Kontrolleur die Insassen ganz genau an - sowohl Sidonie, die sich als Herzogin von Polignac ausgibt, als auch die richtige Herzogin, die als einfache Zofe reist. Dem Blick des Kontrolleurs und seiner leisen, wohlwollenden Reaktion entnehme ich, dass er das Versteckspiel durchschaut. Er lässt die Reisenden (oder besser: die Flüchtenden) passieren... wahrscheinlich um die arme Sidonie zu schützen, die bei einer Entdeckung anstelle der echten Polignac dem Tod geweiht gewesen wäre.

Auch die Nebendarsteller können sich sehen lassen, so z.B. Madame Bertin und der Geschichtsschreiber Moreau.

Unterm Strich ist es ein gelungener Film. Die DVD ist so gut wie gekauft... ich sehne ihre Veröffentlichung herbei.
Wie auch der 2006er Film die "Sucht" nach diesem Thema neu entfachte, ist es mit diesem Film erneut so. Nach dem Versailler Leben Marie Antoinettes wurden nun die ersten Revolutionstage verfilmt. Das macht Lust auf mehr und ganz heimlich wünsche ich mir jetzt speziell die Verfilmung der Erlebnisse der Madame Campan, damit u.a. auch die Oktobertage 1789 ein wenig genauer filmisch beleuchtet werden.


MariaAntonia, 31.05.2012



Latest News


31.05.2012:
Kinostart !
Ich sehe mir heute die erste Vorstellung um 17:15 Uhr an.

30.04.2012:
Der Filmstart in Deutschland wurde auf den 31.05.2012 verschoben.

27.04.2012:
Endlich gibt es einen deutschen Trailer zum Film: 
zu moviepilot.de.

25.04.2012:
Es gibt inzwischen die offiziellen Kinoplakate zu Bewundern:

 
(deutsches Kinoplakat)

 
(frz. Kinoplakat)

11.02.2012:
Hier kommt der frz. Trailer zum Film: 
zu commeaucinema.com.
Herrje, ich hoffe, dass der Film nicht darauf abzielt, Marie Antoinette als lesbisch hinzustellen. Die Szenen scheinen dieses Gerücht als "richtig" hinstellen zu wollen. Was das soll, ist mir ein Rätsel... im Buch ist davon nirgends die Rede !

10.02.2012:
Der deutsche Kino-Filmstart steht fest: 24.05.2012 !

04.01.2012:
Les Adieux à la Reine eröffnet die diesjährige, 62. Berlinale (09.02.2012-19.02.2012). Zudem wurde bekannt, dass der Film auf für den Goldenen Bären vorgeschlagen wurde.

In Bezug auf das offizielle Erscheinungsdatum gibt imdb.com als Info den 21.03.2012 in Belgien sowie den 19.04.2012 in den Niederlanden an. 

12.12.2011:
Endlich gibt es wieder neue Filmbilder:

 
Diane Kruger als Marie Antoinette

 
Mme de Polignac

 
die Königin und ihre beste Freundin

 
der Hof von Versailles

 
Agathe-Sidonie Laborde, zusammen mit Mme Campan und Rose Bertin

02.08.2011:
Auf pressbook.com gibt es eine ganze Reihe von Fotos der Nebendarsteller am Filmset: klick.

20.07.2011:
Et voilà, Diane Kruger als Marie Antoinette:

 

Man darf hoffen, dass dies nur eine schlechte Aufnahme war.

17.07.2011:
Neues Fotos vom Dreh:

 
Regisseur Benoît Jacquot mit Schauspielerin Léa Seydoux

26.06.2011:
Die Dreharbeiten in Versailles laufen (Video: Interview mit Regisseur & Darstellern) und im web kann man schon die ersten Setfotos finden:

 
Mme Campan & Rose Bertin in einer Drehpause

 
Louis XVI & seine Brüder

 
Der König auf dem Weg in die Nationalversammlung

31.05.2011:
Drehbeginn !
Die Dreharbeiten in Versailles haben offenbar am 23. Mai begonnen. Man darf also auf hoffentlich baldige Setfotos gespannt sein !

Monsieur Jean-Jacques Aillagon, der Präsident der Versailler Domäne, offeriert uns auf seinem Blog schonmal das erste Set-Foto - die Darstellerinnen der Madame Campan und der Rose Bertin im Gespräch währendeiner Drehpause:

 

23.12.2010:
Diane Kruger ersetzt Eva Green !
Für die Hauptrolle war ursprünglich Eva Green vorgesehen. Wie man im web nun erfahren konnte, wird Eva Green durch Diane Kruger ersetzt.

Ich persönlich hatte mich sehr auf Eva Green gefreut, ich liebe diese Schauspielerin.
Mit Diane Kruger kann ich aber auch gut leben: eine Deutsche spielt also nun Marie Antoinette. Sie dürfte sie für das breite Publikum zudem auch am ehesten einen Wiedererkennungswert als Marie Antoinette haben - die Ähnlichkeit mit Kirsten Dunst, die 2006 die junge Königin spielte, ist nicht von der Hand zu weisen.

23.12.2010:
Die Dreharbeiten zum Film sollen schon im Frühling 2011 starten.
Das Filmbudget beläuft sich auf ca. 6,5 - 7 Mio. Euro.


 


 


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