3-2 Koenigspaar

Kapitel 3.2
Das junge Königspaar



Marie Antoinette, nun die Herrin über das Château de Versailles, beschloss umgehend, die strenge Hof-Etikette, die sonst nirgendwo in Europa zu finden ist, ein wenig zu modernisieren. Und so schuf sie Regeln ab, wegen denen man z.B. bei königlichen Theatervorstellungen nicht klatschen durfte. Bereits als Dauphine hatte sie diese Regel gebrochen und viel Lob unter den Zuschauern geerntet.
Zudem lockerte sie die Tafeletikette: Durfte bislang nicht einmal die Königin in Gesellschaft von Herren speisen, fand nun am 22.10.1774 erstmals ein Soupé der Königin in Anwesenheit männlicher Nichtmitglieder der Königlichen Familie an einem Tisch statt.

Antoinette, die von ihrem Gatten ausdrücklich untersagt bekam, sich politisch einzumischen, machte es sich zudem zur Aufgabe, sich wohltätig und volksnah zu zeigen und erntete große Erfolge damit:
Während ihrer regelmäßigen Theater- und Opernbesuche in Paris wurde sie von der Bevölkerung stets euphorisch empfangen. Nie zuvor gab es eine derart natürliche Königin, die nur im kleinen Kreis mit wenigen Freunden, anstatt vieler Bewacher, ausging und die Stadt Paris verehrte.

König Louis XVI. (1777, Joseph-Siffred Duplessis) Königin Marie Antoinette (1775, Jean-Baptiste-André Gautier-Dagoty)

Paris liebte sein junges Königspaar, das sich so volksnah und hilfsbereit gab. Auf das Geldgeschenk, das den beiden anlässlich ihrer Thronbesteigung rechtmäßig zustand (24 Millionen Livres), verzichteten sie, um die Steuern nicht anheben zu müssen.

Bereits am 12.11.1774 verkündete Louis XVI., es sei sein Wille, die Parlamente wiedereinzusetzen - eine Entscheidung, die mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Die junge Königin selbst blühte in ihrer neuen Stellung regelrecht auf und die Liebe ihres Gemahls verzückte sie.
Louis XVI. beschloss schon Ende Mai, seiner Frau das 
Lustschlösschen Petit Trianon zu schenken. Die überglückliche Antoinette fand hier einen Ort, an dem sie endlich sie selbst sein konnte. Ein Ort, an dem die Etikette so gut es ging zu vermeiden war.
Im Dezember bat der König seine Frau schließlich, fortan die Unterhaltung bei Hofe zu organisieren. Dies war eine große Ehre für Marie Antoinette, da eine solche Aufgabe in der Vergangenheit eher in den Händen der königlichen Mätressen lag, als in der Verantwortung einer Königin.

Ihren ersten politischen Einfluss auf Louis XVI. übte Marie Antoinette im Juni 1774 aus, als es ihr gelang, die Verbannung Choiseuls aufzuheben.
Zwar mochte der König Choiseul nicht, da dieser einst ein unverschämtes Verhalten seinen Eltern gegenüber an den Tag legte, doch Marie Antoinette schaffte es, ihren Gatten von dieser Geste zu überzeugen - schließlich war es Choiseul, der ihnen beiden das Glück ihrer Ehe bescherte.

Im Februar 1775 besuchte Antoinettes Bruder, der Erzherzog Maximilian von Österreich, das Königspaar in Versailles. Er reiste incognito unter dem Namen Graf von Burgau und vermied es dadurch, den Prinzen von Geblüt seine Aufwartung zu machen, was diese als Beleidung und "Werk" der Königin ansahen.

Besuch des Bruders Maximilian in Versailles - v.l.n.r.: Maximilian, Louis XVI., Marie Antoinette (1775/77, Joseph Hauzinger)

Erzherzog Maximilian blieb etwa einen Monat bei seiner Schwester und erhielt von dieser eine Zeit voller Feste und Vergnügungen.
In den Unterhaltungen mit ihrem Bruder musste Marie Antoinette feststellen, dass sie ihre deutsche Sprache nahezu völlig verlernt hat, so sehr konzentrierte sie sich in der Vergangenheit darauf, eine wahre Französin zu sein.

Die doch recht glückliche erste Phase der Regierung Louis' XVI. wurde im April und Mai 1775 von Unruhen und Aufständen wegen der Verteuerung des Brotpreises überschattet (sogenannter "Mehlkrieg"). Sowohl in Paris, als auch in Versailles plünderten Aufständische die Märkte und Bäckereien.
Marie Antoinette sah die Ursache vor allem in der schlechten Politik der königlichen Berater Turgot und Maurepas.

Als sich die Unruhen legten, konnte schließlich die Organisation der Krönungsfeier des Königs in Angriff genommen werden.
Diese sollte traditionsgemäß in der Kathedrale zu Reims stattfinden.
Am 05.06.1775 verließ der Hof Versailles und verbrachte drei Tage in Compiègne, von wo aus es weiter nach Reims ging.
Die Krönung und Salbung des jungen Königs fand schließlich am 11.06.1775 in der Kathedrale zu Reims statt. Die Zeremonie wurde von Erzbischof de La Roche Aymon durchgeführt, der Louis schon taufte und traute.
Anoinette war in diesem Moment zu Tränen gerührt. Louis, der dies bemerkte, war ist zutiefst ergriffen, immer wieder schaute er in inniger Liebe zu seiner Frau.

Knapp einen Monat später gab es erneut Grund, zu feiern - für Prinzessin Clotilde, Schwester des Königs, wurde eine Hochzeit arrangiert: sie würde den Prince Charles Emmanuel de Savoie, Sohn des Königs von Sardinien-Piemont und Bruder der Comtesse de Provence und der Comtesse d'Artois, ehelichen.
Die Hochzeit selbst fand am 06.09.1775 in Chambéry.




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