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Kapitel 3.3
Freundinnen fürs Leben



Bereits kurz nach ihrer Hochzeit im Jahre 1770 erfuhr Marie Antoinette vom Schicksal der Marie-Louise de Savoie-Carignan, Princesse de Lamballe. Diese hatte 1767 den Prince de Lamballe, Sohn des Duc de Penthièvre, geheiratet, und liebte ihren Ehemann aufrichtig.
Dieser jedoch - als Lebemann bekannt - missbrauchte bald das Vertrauen seiner jungen Frau und verkehrte, wie es so schön heißt, mit "leichten Mädchen".
Bei einer dieser Damen, Mademoiselle Bèze, habe sich der Prinz schließlich mit einer scheußlichen Geschlechtkrankheit angesteckt, an deren Folgen er schließlich 1768 qualvoll verstarb.

Princesse de Lamballe (Louis Edouard Rioult)

Marie Antoinette mochte die Princesse de Lamballe sehr und im Januar 1771 wurden die beiden bereits gute Freundinnen. Die Princesse war die einzige, der Marie Antoinette Geheimnisse anvertraute.
Als Marie Antoinette Königin war, machte sie sich daran, die gute Princesse zu unterstützen, wo sie nur konnte: am 01.01.1775 erwirkte sie beim König eine Pension für den Bruder ihrer Freundin und nahm sich zudem vor, die Princesse zur Superintendantin ihres Hofstaats zu machen, was ihr im Juli 1775 auch endlich gelang.

Die beiden jungen Frauen tauschten jedoch nicht nur Geheimnisse aus, sondern teilten auch eine große Leidenschaft: die Mode !
Über die Princesse de Lamballe und deren Schwägerin, die Duchesse de Chartres, die beide stets beneidenswert gut gekleidet waren, lernte Marie Antoinette im Juni 1774 in Marly die begabte 
Modistin Rose Bertin kennen und verliebte sich augenblicklich in deren wundervolle Arbeiten.
Anlässlich der Pockenimpung ihres Ehemannes vom 18.06.1774, war Marie Antoinettes erster Auftrag an Mme Bertin die Herstellung eines passenden "Impf-Pouffs".

Mme Rose Bertin (Georges Ripart)

Die Liebe zur Mode ließ die junge Königin zumindest für wenige Augenblicke über die Tatsache hinwegsehen, dass sie immernoch einsam war und Frankreich keinen Erben geboren hatte.
Wie schrecklich muss ihr im Dezember 1774 die Nachricht vorgekommen sein, die die Schwangerschaft ihrer Schwägerin, der Comtesse d'Artois, verkündete...

Noch dazu musste die junge Königin zwischenzeitlich erfahren, dass hässliche Schmähschriften über sie im Umlauf waren - die Urheber stammten direkt aus den Reihen der Höflinge !
Einmal, in der Schmähschrift "Aufgang der Morgenröte", warf man ihr vor, sie führe ein ausschweifendes Leben, nur weil sie die Erlaubnis des Königs erhielt, in Marly einen Sonnenaufgang zu erleben.
Ein anderes Mal musste man Geheimagenten nach London schicken, um eine Schmähschrift aufzuhalten, die die Königin krimineller Machenschaften im Auftrag der Kaiserin bezichtigte und dem König Zeugungsunfähigkeit unterstellte.

Mehr denn je brauchte die gedemütigte Königin eine gute Freundin, mit der man sich Zerstreuungen aller Art hingeben konnte.
Doch da die Princesse de Lamballe in 1775 oft unter Nervenschmerzen und Schwächeanfällen litt und dadurch häufig gereizt war, entzog sich Marie Antoinette nach und nach ihrer Gesellschaft.
Gerade sie, die Königin, die von so viel Hektik und bösen Anfeindungen ihrer Gegner umgeben ist, brauchte jetzt erst recht Ablenkung und Herzlichkeit und konnte eine gereizte Freundin nun wirklich nicht länger ertragen.
Viel lustiger und entspannter ging es neuerdings bei einer gewissen 
Gabrielle de Polastron, Comtesse de Polignac, zu, die die Königin im Frühjahr 1775 kennenlernte und häufig bei der Princesse de Guémené antraf.

Comtesse de Polignac (1782, Elisabeth Vigée-Lebrun)

Diese reizende Gräfin weckte sofort Marie Antoinettes Interesse. Und mit Bedauern musste die Königin feststellen, dass es der Comtesse de Polignac kaum möglich war, bei Hofe zu sein, da sie und ihr Gatte mit nur begrenzten Mitteln auf ihrem Anwesen in Claye lebten.
Vernarrt in die schöne Comtesse de Polignac, setzte Marie Antoinette alles daran, diese zu ihrer Hofdame zu machen und sie in jeglicher Hinsicht zu unterstützen.
Die Tatsache, dass die Comtesse noch nie ein Amt bei Hofe innehatte und zudem keiner angemessenen Herkunft entsprach, störte Marie Antoinette nicht im mindesten.
Gabrielle de Polignac gelang es in den kommenden Jahren, über die Königin große Vorteile für ihre gesamte Familie zu gewinnen, was ihr jedoch die Gegnerschaft des alten Hofadels und des Volkes einbrachte.

In der Clique um die Princesse de Guémené, zu der neben der Comtesse de Polignac auch der Duc de Guines, der Duc de Lauzun sowie der Baron de Besenval gehörten, fühlte sich Marie Antoinette geborgen, unterhalten und verstanden.
Hier waren die Menschen, die ihre Interessen teilten und sie in ihren Absichten unterstützten.

Auch zu ihrer kleinen Schwägerin Madame Elisabeth, der jüngsten Schwester des Königs, empfand Marie Antoinette inzwischen große schwesterliche Gefühle.
Nach der Hochzeit und Abreise von Madame Clotilde wurde die Princesse de Guémené die neue Gouvernante Elisabeths und so konnte die Königin das Mädchen häufiger sehen.
Es wurde wohl bereits gemunkelt, die kleine Prinzessin, wenn die Zeit gekommen ist, mit dem Prinzen von Portugal zu vermählen.




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