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Kapitel 3.5
Kaiserlicher Besuch



Am Morgen des 19.04.1777 erreichte Antoinettes Bruder, 
Kaiser Joseph II. von Österreich, auf seiner Frankreichreise Versailles. Bis zum 30.05.1777 verweilte er hier.
Joseph reiste incognito unter dem Namen Graf von Falkenstein und bestand darauf, nicht in Versailles oder Trianon zu wohnen, sondern sich ein Haus in Versailles zu mieten.
Die Königin freute sich auf dieses familiäre Wiedersehen und ängstigte sich zugleich davor: schon seit Marie Antoinettes Amtsantritt überhäufte der Kaiser seine Schwester mit Belehrungen über deren Lebenswandel, unterstellte ihr Vergnügungssucht und Oberflächlichkeit.
Die junge Königin rechtfertigte sich mit Gegenargumenten. Es sei schließlich ihre Pflicht, als Königin die eleganteste aller Frauen zu sein und zu bleiben, vor allem, da ihr Gatte sie hierin fördere.
Rivalinnen könne sich eine Königin nicht leisten, wie man in der Vergangenheit deutlich sehen konnte.

Der Empfang bei den Majestäten hätte herzlicher nicht sein können.
Nachdem Joseph gegen 10 Uhr die Königin in ihren Gemächern aufsuchte und ausgelassen mit ihr plauderte, wurde er anschließend ebenso rührend vom König empfangen. Zwischen den beiden Herren entstand sofort eine ausgelassene Stimmung und Louis legte jede Scheu ab.

Kaiser Joseph II. (1775, Anton von Maron)

Auch die Prinzen von Geblüt kamen diesmal voll und ganz auf ihre Kosten und wurden vom Kaiser zuvorkommend behandelt.
Die freundliche und gütige Art des Kaisers sorgte bald für große Lobeshymnen im Volk, überall wurde sein Erscheinen euphorisch gefeiert.

Der Umgang seiner Schwester mit der Guémené-Clique empörte Joseph jedoch sehr, nachdem er sich ein eigenes Bild von ihren Freunden machte. Sogar die Princesse de Lamballe kam nicht gut bei seiner Einschätzung weg. In dieser Clique herrsche derart viel Falschheit und Zügellosigkeit, dass er kaum glauben könne, seine Schwester würde sich dort wohl fühlen.
Überdies rügte er Antoinette für deren Verhalten dem König gegenüber - sie sei nicht unterwürfig genug und würde es hin und wieder an Respekt ihrem Gatten gegenüber fehlen lassen.

Mit dem König hingegen verstand sich der Kaiser derart prächtig, dass Louis seinem Schwager sogar die intimen Probleme seiner Ehe anvertraute.
Brüderlich gab Joseph Louis einige Ratschläge, da er wohl die Ursachen erkannte.
Dass der Rat des Kaisers bald den langersehnten Erfolg bringen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand...

Obwohl die Königin ihrem Bruder für dessen harten Worte sehr zürnte, gab sie sich nach seiner Abreise große Mühe, seinen Anweisungen Folge zu leisten.
In den kommenden Monaten verbrachte Marie Antoinette daher weniger Stunden mit ihren Freunden und schränkte das Glücksspiel ein. Stattdessen verweilte sie wieder häufiger in der Gesellschaft ihres Gatten, begleitete diesen auf seinen Jagden und sorgte für eine tägliche Zeit mit ihm allein.
Zwar kehrte Marie Antoinette bald zu ihren alten Zerstreuungen zurück, doch gab es zumindest aus dem Ehebett nur noch Zufriedenstellendes zu berichten.


"Endlich Mutter..."



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