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Kapitel 4.2
Mutterglück



Am 24.04.1778 bestätigte Antoinettes Arzt Lasonne den Verdacht auf eine Schwangerschaft der Königin. Bereits Anfang April hatte Marie Antoinette Anlass zu dieser Vermutung, da ihre Menstruation ausblieb. Gesteigerter Appetit, ein erhöhtes Schlafbedürfnis sowie Übelkeit steigerten ihre Hoffnung. Nun war es gewiss und Antoinette war glücklicher denn je.
Nach 8 Jahren Ehe kündigte sich nun das erste Kind an. Ganz Frankreich jubelte, der Hof feierte ausgelassen und Louis kümmerte sich rührend um seine Gattin.
Als Geburtshelfer wählte die Königin den Bruder des Abbé de Vermond.

In ihrer Rolle als zukünftige Mutter ging die Königin vollends auf. Sie plante bereits die Art der Erziehung des Kindes, die Art, es zu wickeln, sie plante, ihr Kind stets an der frischen Luft zu halten, da es nichts Gesünderes gäbe, ja sogar einen Umbau ihrer Terrasse fasste sie ins Auge, damit ihr Kind nach draußen gelangen kann, ohne gefährdet zu sein - kurzum, sie werde ihm eine gute Mutter sein.
Überglücklich verfolgte Marie Antoinette die äußerst gut verlaufende Schwangerschaft. Am 31.07.1778 verspürte sie gegen 22:30 Uhr erstmals erste Bewegungen ihres Kindes.

Während die Gefühle der Schwangeren beinahe verrückt spielten - soeben erst bekam sie endlich die Unterstützung ihres Gatten im Bayerischen Erbfolgekrieg, den ihr Bruder anzettelte - , erschien in Versailles ein junger Mann, mit dem die Königin gar nicht mehr gerechnet hatte:
Der Comte de Fersen beehrte Frankreich endlich wieder. Zuletzt war er 1774 hier, als Marie Antoinette noch Dauphine war. Schon damals weckte er in ihr Gefühle, die sie nicht kannte.
Und jetzt, Ende August 1778, stand der schöne Schwede wieder vor ihr. Am 04.09.1778 machte er ihr seine Aufwartung.
Vom 10.09.1778 bis Mitte November 1778 begab er sich in die Normandie unter das Kommando von Maréchal de Broglie. Doch direkt im Anschluss daran kehrte er nach Versailles zurück und erfüllte Marie Antoinette am 22.11.1778 den Wunsch, ihn einmal in seiner schwedischen Uniform zu sehen.
Besonders mochte die Königin seine ehrliche und freundliche Art, die sich so sehr von der der Höflinge unterschied.
Obendrein war von Fersen wie sie ein Ausländer an diesem Hof - das machte die beiden zu Gleichgesinnten.

Am 19.12.1778, gegen 11:30 Uhr, kam das langersehnte erste Kind des Königspaares zur Welt: Tochter Marie-Thérèse-Charlotte de Bourbon, genannt Madame Royale.
Alles, was Rang und Name hatte, war bei der Geburt zugegen, denn Königskinder kamen öffentlich zur Welt.

Geburt der Mme Royale (Gabriel de Saint-Aubin)

Es war eine schwere Niederkunft und nach der Geburt fiel Antoinette wegen der ganzen Aufregung, den vielen Leuten im Saal und der verbrauchten Luft plötzlich in Ohnmacht. Sie war leichenblass und aus Nase und Mund sickerte Blut - man befürchtete das schlimmste. Louis, der den Ernst der Lage erkannte, kletterte geistesgegenwärtig auf die Fensterbank und riss die Fenster auf. Doch erst nach 45 bangen Minuten kam die Königin endlich wieder zu sich.

Obwohl das erste Königskind ein Mädchen war - und nicht der ersehnte Dauphin - , war die Freude im ganzen Land riesengroß.

Das Mädchen wurde von Kardinal de Rohan getauft. Die Taufpaten waren der König Carlos III. von Spanien und Marie Antoinettes Mutter Maria Theresia - die beiden Taufpaten wurden vom Comte de Provence und dessen Frau vertreten.

Erzieherin des Kindes wurde die Princesse de Guéménée.
Diese jedoch beäugte die tiefe Freundschaft der Königin mit Madame de Polignac mit großer Eifersucht, so dass sich Marie Antoinette nicht sicher war, ob die Princesse die nötigen Qualitäten für ihre Stellung als Gouvernante der Enfants de France mitbrachte.

Die Königin brauchte einige Zeit, um sich von der schweren Geburt zu erholen, doch sie und ihr Mann waren verzückt von ihrem hübschen, aufgeweckten Kind, das sich bester Gesundheit erfreute.
Am 08.02.1779 begab sich das Königspaar anlässlich der Geburt ihrer Tochter zur Danksagung nach Paris.
Es fanden Feierlichkeiten in der Kathedrale Notre-Dame und in der Kirche Sainte-Geneviève statt, sowie ihm Anschluss ein Essen in La Muette.

Graf von Fersen, der die Königin seit dem 27.01.1779 nunmehr regelmäßig besuchte, verabschiedete sich bereits am 28.03.1779, da er sich dem Expeditionskorps für Amerika anschloss.
Sein Abschied stürzte die Königin für lange Zeit in eine Art Melancholie.
Offenbar wirkte sich der Kummer sogar auf ihre Gesundheit aus, denn in den folgenden zwei Jahren wurde die Königin von diversen gesundheitlichen Problemen gequält.

Als Antoinette im April 1779 heftig an den Masern erkrankte, wollte ihr Mann zusammen mit ihr in die Isolation gehen, was sie jedoch aus Sorge um seine Gesundheit ablehnte. Dennoch wurde dies ein klares Zeichen angesehen, dass der König in seine Frau verliebt war. Er schätzte sie sehr.
Bereits kurz nach der überstandenen Krankheit plagten die Königin Ende April Darmbeschwerden.

Anfang Mai 1779 schien sich die Königin wieder vollkommen erholt zu haben. Sie und der König nahmen die ehelichen Gepflogenheiten wieder auf.
Man munkelte, Marie Antoinettes Feinde hätten ihre Krankheitsphase ausnutzen wollen, um dem König eine Mätresse zuzuführen.
Aus Sorge um die Liebe ihres Gatten beschloss die Königin daher, wieder mehr Zeit mit ihm zu verbringen.

Im Juni 1779 stellte Marie Antoinette eine erneute Schwangerschaft fest, die jedoch nach kürzester Zeit in einer Fehlgeburt endete.
Bereits Anfang August war sie wieder völlig genesen und man hoffte auf eine baldige neue Schwangerschaft.

Im Januar 1780 kündigte sich bei ihrer liebsten Freundin, Madame de Polignac, eine Schwangerschaft an. Bei der Königin war die Freude sehr groß und auch der König fand seit einiger Zeit Gefallen an der Gesellschaft der liebreizenden Comtesse. Da deren Tochter kurz vor ihrer Heirat mit dem Comte de Gramont stand, beschloss das Königspaar, das Mädchen mit der prächtigen Mitgift von 800.000 Livres auszustatten und die Schulden der Polignacs zu begleichen.
Natürlich sorgte diese Gunstbezeugung bei Hofe wiedermal für große Empörung.
Durch die Unterstützung ihres Gatten fühlte sich Marie Antoinette jedoch im absoluten Recht, ihrer Freundin, die ihr so viel Freundschaft und Vertrauen gab, etwas von sich zurückgeben zu können.

Graf von Fersen, der sich seit dem 20.12.1779 wieder in Versailles aufhielt, blieb bis zum 20.03.1780 in der Umgebung der Königin.
Anschließend begab er sich erneut nach Amerika.
Lediglich die Comtesse de Polignac und die kleine Madme Royale vermochten es, Marie Antoinette Freude zu bringen, zu sehr bekümmerte die Königin der erneute Abschied ihres Freundes von Fersen.
Die kleine Tochter Marie-Thérèse bereitete ihrer Mutter daher umso größeres Glück, als sie diese am 05.04.1780 zum ersten Mal ohne Hilfestellung erkannte.
Man fragte die Prinzessin, wo ihre Mutter sei. Daraufhin lächelte die Kleine Marie Antoinette strahlend an und streckte ihrer Mutter die Hände entgegen.

Die Königin, die nur in Madame de Polignac eine wahre Freundin sah, beschloss, diese während der Schwangerschaft zu unterstützen, wo sie nur konnte.
Die Comtesse brachte am 14.05.1780 einen gesunden Jungen - Jules de Polignac - zur Welt.
Marie Antoinette besuchte ihre Freundin nunmehr täglich und sogar der König stattete Madame de Polignac am 21.05.1780 einen Besuch ab. Es war sein allererster Besuch eines Privathauses seit der Thronbesteigung und bedeutete für die Comtesse den Beweis der tiefen Freundschaft des Königspaares.
Am 07.07.1780 war Madame de Polignac wieder völlig genesen und kehrte an den Versailler Hof zurück.




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