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Kapitel 5.2
Die private Antoinette



Am 19.05.1782 traf das russische Thronfolgerpaar Paul und Maria Fjodorowna auf ihrer Frankreichreise in Paris ein. Das Paar reiste incognito als Comte und Comtesse du Nord und residierte in der Botschaft in Paris.
Königin Marie Antoinette empfing die Gäste - auf besonderen Wunsch ihres Bruders Joseph II. - mit einer außerordentlichen Gastfreundlichkeit, als diese am 20.05.1782 in Versailles erschienen.
Die beiden Gäste machten es dem französischen Königspaar nicht immer leicht, umgingen die Etikette und unterhielten sich mit der Königin intimer, als es sich ziemte.
Marie Antoinette versuchte, ihre Unlust so gut es ging, zu verbergen.

Zu Ehren der Gäste wurde am 07.06.1782 ein glamouröses Ballfest im Château de Versailles gegeben. Die Stimmung der Königin trübte sich jedoch, als sie erfuhr, dass sich Kardinal de Rohan während der Illuminierung in die Gärten von Trianon eingeschmuggelt hatte.
Dieser Kardinal bedrängte die Königin schon seit geraumer Zeit, ihm eine Audienz zu gewähren. Marie Antoinette verabscheute den Kardinal allerdings, zumal dieser ihre Mutter einst verärgerte.
Das unwürdige Verhalten, das der Kardinal nun am Abend des Ballfestes zeigte, machte die Königin unendlich wütend. Sie schwor sich, niemals diesen unangenehmen Mann zu empfangen.

Am 19.06.1782 reisten die Nords schließlich ab und Marie Antoinette atmete auf. Sie war eine gute Gastgeberin, die sich ihren Unmut nicht anmerken ließ.

Da der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg noch immer nicht beendet war, musste Antoinette weiter auf ihren geliebten Freund warten, der sich in der Ferne den Gefahren des Krieges aussetzte.
Sie hatte schon vor längerem beschlossen, ihm einen höheren Posten zu beschaffen. Mitte 1782 beförderte der König den Schweden nun zum Zweiten Regimentsoberst der Royal Deux Ponts.

Marie Antoinette mit ihren Kindern Marie-Thérèse und Louis-Joseph, neben ihnen die Büste des Königs (1782, Charles Leclercq)

Da ihre Tochter geimpft werden sollte, zog Marie Antoinette mit Madame Royale am 09.09.1782 für einen Monat ins Schloss von La Muette.
Der Dauphin verblieb in dieser Zeit in Versailles bei seiner Gouvernante Princesse de Guémenée und der Untergouvernante.
Marie Antoinette zweifelte schon seit einiger Zeit an der Kompetenz der Princesse als Gouvernante der Enfants de France, zumal im Hause Rohan-Guémenée ein Skandal anstand:
Der Ehemann der Princesse hatte einen immensen Schuldenberg von 30 Mio. Livres angehäuft. Die Familie stand kurz vor dem Ruin.
Marie Antoinette konnte die Erziehung der Königskinder nicht einer Frau überlassen, deren Mann pleite war.

Am 01.10.1782 wurde der Skandal um die Guémenées schließlich öffentlich und ihr Habe beschlagnahmt.
König Louis XVI. gab seiner Frau die Erlaubnis, sich nach einer neuen Gouvernante für die Königskinder umzusehen.
In Frage kamen die Princesse de Chimay oder die Duchesse de Duras. Doch Marie Antoinette hatte schon längst eine andere Wahl getroffen: Madame de Polignac. Mit ihrer besten Freundin als Gouvernante könnte sie besser über die Erziehung ihrer Kinder wachen und würde zusätzlich mehr Zeit mit ihrer Freundin verbringen können.
Es ist offensichtlich, dass der Skandal um die Guémenées der Königin nicht ungelegen kam, um ihren Willen bezüglich des Gouvernanten-Wechsels durchzusetzen.

Der Prince de Guémenée wurde im Rahmen des Schuldenskandals vom Hof sowie auf einen Umkreis von 20 km von Paris verbannt.
Seine arme Gattin zog sich auf ihren Besitz nach Vigny zurück.

Als Marie Antoinette der Comtesse de Polignac die Posten der Gouvernante freudig anbot, sagte diese jedoch nicht sofort zu, sondern bat um Bedenkzeit, was die Königin sehr kränkte.
Da einige Tage lang nicht absehbar war, wer nun die Nachfolgerin der Princesse de Guémenée würde, dachte man schon, dass sich die Königin künftig selbst um die Erziehung ihrer Kinder kümmern wolle.
Am 20.10.1782 legte die Princesse de Guémenée schließlich der Königin das Kündigungsgesuch vor.
Bis eine Nachfolgerin gefunden wurde, gab man die Verantwortung der Erziehung vorübergehend an die Baronne de Mackau weiter.
Am 25.10.1782 lag endlich die Zusage der Comtesse de Polignac vor. Diese trat ihr Amt am 04.11.1782 offiziell an und zog umgehend in das ihr nun zustehende Appartement am Ende des Südflügels im Parterre - neben dem Appartement des Dauphin - ein.

Marie Antoinette nutzte diese Umstrukturierung zudem, um ihre Tochter mit zwei Untergouvernanten in einem Appartement unterzubringen, das näher an ihren eigenen Gemächern lag.

Auch die Freundschaft zwischen der Königin und dem Grafen von Fersen verfestigte sich. 1783 erhielt der schwedische Graf von Louis XVI. das Kommando über das Königliche Schwedische Regiment in der französischen Armee. Von Fersen wurde dadurch Mitglied der Versailler Gesellschaft und ein gerngesehener Gast am Hofe.

In den Jahren 1783-1788 ließ Antoinette das "Hameau", eine kleine Farm im Garten des Petit Trianon-Parks, errichten.
Das Hameau war keinesfalls nur eine Laune der Königin, sondern ein von ihr geführtes kommerzielles Unternehmen, dass ca. 6.000 Livres im Jahr erwirtschaftete.
Das Volk dagegen sah hierin in den späteren Jahren wieder nur ein Zeichen der königlichen Verschwendungssucht. Dass der Weiler jedoch jährlich mit einem positiven Saldo abschloss, wusste man nicht oder wollte man nicht wissen.

Der besonders harte Winter 1783/1784 veranlasste Antoinette, ihre diversen Hilfsaktionen der letzten Jahre noch mehr zu verstärken. Dies fand im Volk hohen Anklang, der nun auch öffentlich gezeigt wurde:
Man errichtete ihr eine Statue aus Schnee, direkt neben einem Standbild des Königs und vermerkte daran:
"(...) Ist dieses vergängliche Denkmal auch aus Schnee und Eis, unsere guten Wünsche für dich sind es nicht."

Im Jahr 1784 besuchte König Gustav III. von Schweden Frankreich. Er reiste incognito als Graf von Haga.

König Gustav III. von Schweden (Alexander Roslin)

Antoinette empfing ihn im Petit Trianon königlich. Dieser kostspielische Aufenthalt des Schweden-Königs wurde Antoinette später schwer zur Last gelegt.

Fest zu Ehren des Schwedenkönigs Gustav III. am 21.06.1784 im Park des Petit Trianon (Niklas Lafrensen dem Jüngeren)


"Die Halsbandaffäre"



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