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Kapitel 6.3
Die kleine Sophie



Am 9. Juli 1786 - die Urteilsverkündung im unseligen Halsband-Prozess war gerade einen Monat her - brachte Marie Antoinette ihr viertes Kind zur Welt: Tochter
 Marie Sophie Hélène Beatrice de Bourbon.

Das Leben der doch recht großen und kräftigen Sophie Béatrice war jedoch nur von kurzer Dauer, denn schon bald zeigten sich Missbildungen im Körperbau des Kindes.
Schließlich erkrankte die Kleine an Lungentuberkulose und verstarb nur 11 Monate nach ihrer Geburt, am 18. Juni 1787, an den Folgen der Krankheit.

Der frühe Tod der kleinen Prinzessin wurde natürlich zum Aufhänger für böse Verleumdungen gegen die Königin verwendet. Das Volk gab Marie Antoinette, deren Ruf zu dieser Zeit schon auf dem Tiefpunkt war, inoffiziell die Schuld am Tod der Tochter.

Auch heute noch halten sich die Vermutungen, die Missbildungen seien die Folge eines missglückten Abtreibungsversuches, da Sophie eventuell nicht die leibliche Tochter des Königs gewesen sei, hartnäckig aufrecht.
Nachweise gibt es hierfür natürlich nicht. Befürworter dieser These sehen jedoch in dem Namen des Kindes einen Hinweis... Die Schwester des Grafen von Fersen - dem man eine Liebschaft mit Marie Antoinette unterstellt - heißt Sophie und so könnte die Prinzessin nach ihr benannt worden sein.
In meinen Augen ist es absurd, die Schwester von Graf von Fersen als Namensgeberin auch nur in Erwägung zu ziehen - es wäre höchst dumm von der Königin gewesen, hätte sie dies beabsichtigt.
Offiziell jedenfalls wurde Sophie de Bourbon nach Madame Sophie, der Tante des Königs, benannt - was weit logischer erscheint und zudem üblich war, zumal Madame Sophie vier Jahre zuvor gestorben war.

Eine weitere Vermutung in Bezug auf Sophies Missbildungen ist, dass diese möglicherweise vom Korsett-Tragen herrühren.
Kritiker der Königin werfen ihr vor, sie hätte während der Schwangerschaft niemals auf das Korsett verzichtet und so die Gesundheit des Kindes gefährdet.
Dabei muss man wohl verdeutlichen, dass das Tragen eines Korsetts im 18. Jahrhundert nicht ungewöhnlich war und man während der Schwangerschaft passende Schwangerschaftskorsetts verwendete.
Einer Dame des 18. Jahrhunderts also vorzuwerfen, sie würde Korsetts tragen, wäre daher unsinnig, da das Korsett zur täglichen Bekleidung gehörte.
Mag sein, dass das Tragen eines Korsett während einer Schwangerschaft gesundheitsgefährdend für das Ungeborene ist, doch kann man Marie Antoinette aus den genannten Gründen wohl kaum eine böse Absicht unterstellen.


 



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