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Kapitel 9.1
Der Fluchtplan



Seit dem 6. Oktober 1789 befand sich die Königliche Familie praktisch in der Gewalt des Volkes. Mit dem erzwungenem Umzug in die Tuilerien nach Paris waren der König und seine Familie fortan dem Willen des Volkes ausgeliefert. Zwar wurde der König weiterhin verehrt und er befand sich nun im Kreise seiner Untertanen, doch hatten eben diese Untertanen bewiesen, dass sie nicht vor Gewalt zurückschrecken.

Die Berater des Königs forderten diesen daher seit dem 6. Oktober 1789 immer wieder auf, zu fliehen, sich in Sicherheit zu bringen und dann von außen gestärkt gegen die Aufständischen vorzugehen, um sich die absolute Macht zurück zu erkämpfen.
Auch die Königin, die die Erniedrigungen des Volkes seit dem Umzug nach Paris äußerlich zwar unbeeindruckt ließen, innerlich aber nicht mehr ertrug, drängte ihren Gatten aus Angst um die Familie zur Flucht, um in den Österreichischen Niederlanden Schutz zu finden.
Doch lehnte der König eine solche Flucht stets ab - zu sehr misstraute er dem Hause Habsburg, aber auch seinen eigenen Reihen, denn aus diesen könnte sich ein Regent stark machen, während der König im Exil wäre. U.a. dachte er wohl an den Duc d'Orléans oder gar an den eigenen Bruder, den Comte de Provence.

1791 rückte dieser Gedanke aber wieder in den Vordergrund. Die Freiheiten der Königsfamilie wurden mehr und mehr eingeschränkt und ihr wurde bewusst, dass sie Gefangene einer nicht zu unterschätzenden Macht waren. Als am 18.04.1791 der alljährliche Osterausflug der Königsfamilie nach Saint-Cloud aus Furcht, der König könnte fliehen, von der Nationalversammlung und dem Pariser Volk verhindert wurde, war die persönliche Unfreiheit des Königs einmal mehr deutlich geworden.

Nun begann man also, tatsächlich eine Flucht vorzubereiten: eine Flucht ins noch sichere, königstreue und grenznahe Gebiet um Montmédy. Von hier aus wäre bei Gefahr eine Flucht ins sichere österreichische Exil in Luxemburg möglich.

Hauptinitiator der Königlichen Flucht war niemand geringeres als Graf Hans Axel von Fersen, dem man eine Liaison mit der Königin nachsagte. Mitte 1791 sollte er zum engsten Vertrauten des Königs und seiner Familie werden: Graf von Fersen sowie der Marquis de Bouillé, General der Truppen von Meuse, Sarre und Moselle, planten die große Flucht der Königsfamilie nach Metz.
Monatelang setzten sich die beiden der Gefahr der Aufdeckung aus, schleusten chiffrierte Briefe in die Tuilerien, fälschten Pässe und organisierten Unmengen von Geld, bis endlich ein Fluchtplan feststand.

Nichtsdestotrotz, die Flucht wurde mit allzuviel Leichtfertigkeit und Naivität geplant bzw. ausgeführt und sollte letztendlich scheitern...

Der König, die Königin, die beiden Kinder sowie Madame Elisabeth und die Gouvernante Madame de Tourzel sollten während der Flucht zusammen reisen. Der Comte de Provence, Bruder des Königs, und dessen Gattin flohen - getrennt vom Königspaar, aber auch getrennt voneinander - ebenfalls aus Paris. Im Nachhinein wäre es auch für die  Königsfamilie besser gewesen, sich aufzuteilen, um keinen Verdacht auf die recht große Reisegruppe zu lenken.

Die Kutsche der Königsfamilie war ein Reisewagen, der sich von Paris aus zunächst ins grenznahe Montmédy begeben sollte, um von dort im Notfall eine schnelle Weiterrreise in die Österreichischen Niederlande zu ermöglichen.
Um die Identität der Insassen der Kutsche zu verschleiern, nahmen die Reisenden andere Namen an:

Madame de Tourzel übernahm die Rolle der Herrin der Reisegesellschaft und reiste als russische Baronne de Korff.
Die "echte" Baronin von Korff - auf deren Name die Reisekutsche auch erworben wurde - hatte sicherheitshalber vorab dieselbe Strecke mit der gleichen Anzahl von Begleitern abgefahren und wurde nirgends nach ihrem Pass gefragt.
Die Königskinder Louis-Charles und Madame Royale mimten die beiden Töchter der Baronin.
König Louis XVI verkleidete sich als Monsier Durand, den Kammerdiener der Baronin.
Königin Marie Antoinette reiste als Madame Rochet, die Gouvernante der Kinder der Baronin.
Madame Elisabeth mimte die Kammerfrau der Baronin.

Weiterhin gehörten drei Leibgardisten des Königs - die Messieurs Malden, Moustier und Valory - zur Reisegesellschaft sowie der Graf von Fersen, der selbst die Kutsche lenkte.
Der Marquis de Bouillé wartete hinter Châlons auf die Flüchtenden, um sie von dirt mithilfe seiner Soldaten sicher nach Montmedy zu begleiten.


 



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