Willkommen

Kapitel 6.1
Die Halsbandaffäre

 



Der 21. Januar 1785 war der offizielle Beginn der sogenannten "Halsbandaffäre" (frz.: L'affaire du collier de la reine):
Die Pariser Juweliere Charles-Auguste Boehmer und Paul Bassenge hatten ein kostbares Diamanten-Collier angefertigt, das zu Beginn für die Gräfin du Barry, die Mätresse Louis' XV., bestimmt war. Nach dem Tod des Königs in 1774 fand sich jedoch kein geeigneter Abnehmer.
Die Juweliere traten daher an Königin Marie Antoinette heran. Im Jahr 1778 schlug der König vor, ihr das Collier zu schenken. Die Königin lehnte das angekündigte Geschenk jedoch wegen des hohen Preises von 1,6 Millionen Livres ab.
1781, nach der Geburt des Dauphins, boten die Juweliere das Collier erneut der Königin an, die aber wiederum ablehnte.

Die Juweliere bieten der Königin das Collier an.

Verzweifelt wandten sich die Juweliere 1784 an eine gewisse Jeanne de Valois-Saint-Rémy, Comtesse de la Motte (1756-1791), die öffentlich prahlte, eine gute Freundin der Königin zu sein. Die Comtesse, die eine Nachfahrin des Königlichen Hauses der Valois war, spielte die Rolle der Königin-Freundin so gut, dass man ihr schnell Glauben schenkte.
Und so täuschte sie auch den wohlhabenden
 
Kardinal Louis René Édouard de Rohan-Guémené (1735-1803), der ein Verehrer der Königin war und sich nichts sehnlicher wünschte, als diese einmal persönlich zu treffen. Marie Antoinette hasste den Kardinal allerdings...

Jeanne de la Motte und der Kardinal de Rohan

Jeanne de la Motte veranlasste jedoch tatsächlich ein Treffen mit der "Königin", in dem sie die Pariser Prostituierte Nicole Leguay d'Oliva, die Marie Antoinette ähnlich sah, als Königin verkleidete. Am 11.08.1784 traf sich Nicole d'Oliva als Königin also mit dem Kardinal in einem kleinen Wäldchen von Versailles.

das nächtliche Treffen Rohans mit der "falschen" Antoinette

So gewann Jeanne das Vertrauen und das Geld des Kardinals - gerade zur rechten Zeit, als die beiden Juweliere sie um Hilfe baten.
Am 21.01.1785 verkündete Jeanne, die Königin wolle das Collier kaufen. Der Kauf und die Ratenzahlung sollten über den Kardinal laufen. Mithilfe gefälschter Briefe und Unterschriften der Königin erreichte Jeanne schließlich ihr Ziel: man überreichte ihr das Diamantenhalsband.

Marie Antoinette machte nun einen Fehler, der später an ihrer Glaubwürdigkeit kratzte: Als sie einen Dankesbrief der Juweliere über den erfolgreichen Kauf erhielt, jedoch nichts damit anzufangen wusste, verbrannte sie diesen gutgläubig.

Der große Betrug flog schließlich auf, als die erste Ratenzahlung ausstand und sich die Juweliere bei der Königin beschwerten.
Am Hof wurde die Unschuld der Königin schnell bewiesen, da die Briefe und Verträge eindeutig als Fälschungen erkannt werden konnten.
Man begann nun mit der Suche nach den Tätern.

Am 15.08.1785 wurde im Halsband-Verfahren der Kardinal de Rohan festgenommen.

Verhör Rohans im Beisein des Königs und der Königin

Zwei Tage später, am 17.08.1785 floh Nicholas de la Motte, Jeannes Ehemann, mit dem Collier nach England, um dort die Diamanten zu verkaufen.
Jeanne de la Motte wurde am 18.08.1785 in Bar sur Aube verhaftet.
Ebenso verhaftet wurden Nicole d'Oliva und ein gewisser
 Reteaux de Villette, der ein Freund der Comtesse de la Motte war und die "im Namen der Königin" an Rohan geschickten Briefe verfasst hatte. Zudem hatte er die Unterschrift Marie Antoinettes auf dem Kaufvertrag gefälscht.

Das Urteil im Halsbandaffären-Prozess erfolgte am 31.05.1786:
Freispruch des Kardinals sowie von Nicole d'Oliva.
Villette wurde verbannt.
Jeanne de la Motte wurde zur öffentlichen Vorführung am Pranger, zur Brandmarkung durch den Henker auf beiden Schultern sowie zu lebenslanger Haft im Salpétrière-Gefängnis verurteilt (am 05.06.1787 floh sie aus dem Gefängnis nach England).

öffentliche Bestrafung der Jeanne de la Motte

Ihr Ehemann Nicholas de la Motte wurde in Abwesenheit zu lebenslänglicher Galeerenstrafe verurteilt.

Die öffentliche Meinung wurde durch diesen Prozess heftig erregt. Es wurde zwar allgemein angenommen, dass die Königin unschuldig sei, doch das Volk beharrte auf der Überzeugung, die Königin habe die Comtesse de la Motte als Werkzeug benutzt, um ihren Hass auf den Kardinal de Rohan zu befriedigen. Antoinettes Enttäuschung über Rohans Freispruch und die Flucht von Jeanne de La Motte aus dem Gefängnis, in die das Volk den Hof verwickelt glaubte, trugen dazu bei, dass das Volk die Königin weiterhin für verdächtig hielt.


Verlauf der Halsbandaffäre

Datum

Ereignis
Sept. 1781 Jeanne wird von ihrer Gönnerin, Madame de Boulainvilliers, dem Kardinal vorgestellt.
1782 Jeanne wird des Kardinals Mätresse.
Dass die Comtesse diese Beziehung nur des Geldes wegen eingeht, ist dem Kardinal nicht bewusst.
Jeanne gibt sogar vor, sie sei die neue Hofdame der Königin - wohlwissend, dass der Kardinal bei der Königin keinen guten Ruf hatte und alles dafür gäbe, die Zuneigung Marie Antoinettes zu gewinnen.
Ihr Mann Nicolas engagiert daraufhin den Handschriftenfälscher Rétaux de Villette. Dieser fertigt Briefe der Königin an, die den Kardinal von der Freundschaft Jeannes mit Marie Antoinette überzeugen sollen.
Die Briefe sind signiert mit "Marie Antoinette de France" - die Königin unterzeichnet jedoch nur mit "Marie Antoinette".
11.08.1784 Um die letzten Zweifel des Kardinals zu beseitigen, arrangiert Jeanne ein Treffen zwischen diesem und der Königin. Hierfür organisiert Jeanne zur Täuschung eine "falsche Königin":
Für die falsche Königin bedient sie sich der Prostituierten Nicole d'Oliva, die Marie Antoinette sehr ähnlich sieht. Nicole, die sich als Dirne in den Gärten des Palais Royal bereits einen Namen machte,
erhält für diesen Dienst um die 15.000 Livres.
Das fingierte Treffen im Versailler Park geht als "la scène au bosquet" in die Geschichte ein.
1785 Jeanne erfährt von dem wohl teuersten Collier der Welt.
Die Hofjuweliere Charles-Auguste Boehmer und Paul Bassenge hatten dieses einst im Auftrag Louis' XV. für dessen Mätresse Mme du Barry angefertigt, doch nach dem Tod des Königs 1774 fand das Collier keinen Abnehmer mehr.
Bereits 1778 und 1781 offerierten die beiden Juweliere der Königin das Halsband, doch die Königin lehnte jedesmal ab.
Das Halsband bestand aus 647 Diamanten von 2.800 Karat und hatte den stolzen Wert von 1,6 Millionen Livres.
Da die Juweliere erfuhren, dass Jeanne de la Motte eine Freundin der Königin sei, wandten sie sich hilfesuchend an diese.
Jeanne teilt also dem Kardinal mit, wie sehr sich die Königin dieses Collier wünsche, der König ihr dieses aber wegen des hohen Preises nicht zugestehe.
Und so wird ein Vertrag aufgesetzt, nach welchem die Königin das Collier in 4 Raten zu je 400.000 Livres abzahlen und der Kardinal als Bürge für Marie Antoinette eintreten solle.
01.02.1785 Das Collier wird von den Juwelieren an den Kardinal und von diesem weiter an Jeanne übergeben, die es der Königin aushändigen soll.
Jeanne hingegen tritt das Halsband an ihren Gatten Nicolas ab, der es alsbald aus Frankreich nach England schmuggelt, um die Steine dort einzeln zu verkaufen.
01.08.1785 Nachdem die Juweliere vergeblich auf die erste Rate der Königin warteten, wenden sie sich nun an das Königspaar - der Betrug ist aufgedeckt !
15.08.1785 Kardinal Rohan wird festgenommen und in die Bastille gesperrt.
18.08.1785 Jeanne wird in Bar-sur-Aube verhaftet.
Ebenso fasst man Nicole d'Oliva und den Handschriftenfälscher Villette.
Nicolas de la Motte befindet sich zur Zeit im sicheren England.
Aug. 1785
- Mai 1786
Dauer des Prozesses gegen die Verhafteten.
Ende der Beweisaufnahme am 29.05.1786.
30.05.1786

Urteilsverkündung im Halsbandprozess durch Joly de Fleury:

• Louis de Rohan wird freigesprochen.

• Nicole d'Oliva, die als Opfer der Jeanne de la Motte gilt, wird freigesprochen.

• Rétaux de Villette, schuldig, wird des Landes verwiesen.

• Über den abwesenden, für schuldig gesprochenen Nicolas de la Motte wird die lebenslange Galeerenstrafe verhängt.

• Jeanne de la Motte wird für schuldig befunden. Sie wird zur öffentlichen Auspeitschung und Brandmarkung mit einem "V" (voleuse = Diebin) verurteilt. Ferner verhängt das Gericht über sie die lebenslange Haftstrafe im Salpêtrière-Gefängnis.

Hier endet die Affaire du Collier.
Dem Ruf der unschuldigen Königin wird durch diesen Vorfall auf das schlimmste geschädigt, zumal das Volk eher in Jeanne ein Opfer der Königin sieht.


Die Halsbandaffäre im TV


Der mysteriöse und bedeutende Halsbandskandal wurde bereits in diversen Filmen thematisiert:

1909 Le Collier de la Reine
1912 L'Affaire du Collier de la Reine
1929 Le Collier de la Reine
1946 L'Affaire du Collier de la Reine
1962 La Caméra explore les Temps: L'Affaire du Collier de la Reine
1976 Novela: El Collar de la Reina
1998 Quo vadis: Königliche Affären - Die Halsbandaffäre (Doku)
2001 Das Halsband der Königin


 

 


zum MarieAntoinette-Forum


rechtlicher Hinweis:
Texte (Copyright) © MariaAntonia 2008-2017

Nach oben